Tausende Eier für die Tonne

von Redaktion

Tausende Hühnereier müssen vernichtet werden, weil sie falsch verpackt waren. Ein Produzent aus dem Landkreis Erding hatte auf den Kartons mit der Herkunft „aus dem Erdinger Land“ geworben. Tatsächlich waren es gleichwertige Eier aus anderen Teilen Bayerns. Der Rewe-Konzern reagierte hart.

VON HANS MORITZ

Erding – Das Problem war die Verpackung. Auf den Eier-Kartons der Firma Sonnendorfer prangt der Hinweis „aus dem Erdinger Land“. Doch in vielen Kartons waren stattdessen gleichwertige Eier aus ganz Bayern. Dass es zu den Mogelpackungen gekommen ist, ist der Corona-Krise geschuldet. So schildert es zumindest Josef Braun, Inhaber des Eier-Hofes in Inning am Holz (Kreis Erding). „Die Lebensmittelkonzerne haben uns bestürmt, dass wir so viele Eier wie möglich liefern sollen“, erklärt er. „Die Leute sind zu Hause, sie kochen und backen jetzt viel mehr.“

Auf der anderen Seite habe die Schließung der Gastronomie viele kleinere Produzenten in Schieflage gebracht. „Die sind von heute auf morgen auf ihrer verderblichen Ware sitzen geblieben und haben uns um Unterstützung gebeten“, erzählt Josef Braun. Tochter Bettina Braun erklärt, „dass wir die Kollegen nicht im Stich lassen wollten“. Für Sonnendorfer sei entscheidend gewesen, „dass es zertifizierte Betriebe sind, die Qualitätseier aus Bayern produzieren“, so die Juniorchefin. Man habe keinen finanziellen Vorteil erzielt.

In einer Videobotschaft auf der Internetseite des Betriebs mit 14 Angestellten und 50 000 Tieren an mehreren Standorten erklärt sie: „Bei den Schachteln gibt es Lieferengpässe teilweise bis Ende August.“ Deswegen wurden eigene Kartons verwendet – mit dem Erdinger Logo. Josef Braun gibt zu: „Das war ein Fehler.“

Seine Tochter versichert: „Wir wollten niemanden täuschen.“ Die Eier gelangten in den Handel – in die Regale von Rewe. „Das dürfte einem Mitbewerber missfallen haben“, sagt der Geschäftsführer. „Wir wurden hingehängt.“ Der Unbekannte ging zum Bayerischen Rundfunk.

Die Reporter schwärmten nach Senderangaben zu 15 Testkäufen aus, unter anderem in München, Murnau, Dachau, Olching und Pähl. Überall stießen sie auf Erdinger Eier, die gar keine waren, sondern laut BR von Höfen in Niederbayern und der Oberpfalz stammten. Der auf jedem Ei aufgedruckte Code macht es leicht, die Herkunft nachzuverfolgen.

Rewe reagierte prompt und stellte Sonnendorfer zur Rede. Familie Braun bot an, an den Regalen entsprechende Hinweise oder Aufkleber auf den Kartons anzubringen. Doch zu spät: „Die Eier werden alle vernichtet, mehrere tausend Stück.“ Josef Braun muss zudem mit einer Vertragsstrafe rechnen. „Insgesamt wird uns ein Schaden im fünfstelligen Bereich entstehen“, befürchtet der Eier-Produzent. Rewe sprach von einer „schwerwiegenden Vertragsverletzung“.

Auch wenn Braun weiß, dass der Lapsus auf seinem Hof passiert ist, bringt er kein Verständnis dafür auf, dass die hochwertige Ware vernichtet wird, „nur weil auf dem Karton eine Angabe falsch ist“. Er verweist auf die besondere Situation durch die Corona-Krise und hätte sich seitens des Lebensmittelriesen schon deshalb mehr Kulanz gewünscht. Auch für Erdings Landrat Martin Bayerstorfer sind das keine guten Nachrichten. Der hatte im Januar auf der Grünen Woche seine nicht unumstrittene Regionalmarke Erding vorgestellt, die die Vermarktung vor Ort stärken soll.

Erst vor einem Jahr hatte das 1960 gegründete Familienunternehmen Braun Ärger. Ein Salmonellen-Test war positiv ausgefallen. 60 000 Eier mussten zurückgerufen, aus dem Handel genommen und vernichtet werden. Es wurde intensiv getestet. Alle weiteren Proben fielen negativ aus. Wie es zu dem einen Befund kommen konnte, ist bis heute ungeklärt. In der 60-jährigen Firmengeschichte war es noch nie zu einem Rückruf gekommen, der für das Unternehmen auch einen Imageverlust bedeutet. Schon damals ging der Schaden in die Zehntausende.

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