Corona sorgt für Radl-Boom

von Redaktion

Die Bayern entdecken während der Ausgangsbeschränkungen das Radfahren für sich. Das ist gut für die Gesundheit und die Umwelt – doch leider hat es auch schon mehrere schwere Unfälle gegeben. Am Maifeiertag starb ein 39-Jähriger.

München – Bayern tritt in die Pedale. Während der Ausgangsbeschränkungen haben sich viele wieder einmal aufs Rad geschwungen. „Zu uns sind einige Kunden gekommen, die erzählt haben, dass sie zum letzten Mal vor ein paar Jahren mit dem Rad gefahren sind, und jetzt die Zeit dafür nutzen“, berichtet Torben Maue vom Bike Center mit Filialen in Garmisch-Partenkirchen und München. Die Radlwerkstatt hatte auch während der strikten Beschränkungen geöffnet. „Die Leute waren sehr dankbar dafür“, sagt Maue. Inzwischen ist der Laden mit einem Hygienekonzept ebenfalls wieder auf – und die Kunden freut es. „Wir waren positiv überrascht“, berichtet Maue.

Ähnlich ist der Eindruck von Petra Husemann-Roew, Landesgeschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). „Wir haben das Feedback bekommen, dass deutlich mehr Fahrradfahrer unterwegs sind und das Interesse am Kauf von Fahrrädern groß ist“, berichtet sie. Der ADFC und der Bund Naturschutz haben einen Brief an Verkehrsministerin Kerstin Schreyer geschrieben, in dem sie „coronasichere Rad- und Fußwege“ in den Städten fordern. „Wir müssen temporär mehr Platz schaffen für Radler und Fußgänger, damit der gebotene Abstand eingehalten werden kann“, fordert Husemann-Roew. Autofreie Zonen, kurzfristige Radwege und eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit innerorts seien Möglichkeiten. Sie hofft auf einen langfristigen Effekt: „Wenn die Menschen erleben, wie praktisch das Rad als Verkehrsmittel im Alltag ist, nutzen sie es hoffentlich auch nach der Krise öfter.“

Doch die Radl-Lust sorgt teils auch für höhere Unfallzahlen. „Die Unfälle haben sich in den letzten Tagen gehäuft“, berichtet Martin Emig vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Meistens handle es sich um Stürze, an denen kein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt ist. „Manchmal gibt es natürlich schwere Verletzungen, aber größtenteils sind die Radfahrer nur leicht verletzt“, sagt Emig. Beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord gab es im März und April des vergangenen Jahres 313 Unfälle mit Fahrrad- und Pedelecfahrern. Für 2020 liege die Bilanz noch nicht vor – aber tendenziell sei eher ein Rückgang der Unfallzahlen festzustellen. Auch in der Unfallklinik Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) macht sich der Fahrrad-Boom bislang noch nicht bemerkbar. „Wir verzeichnen derzeit keinen auffälligen Anstieg an verunfallten Fahrradfahrern in unserer Klinik“, berichtet der Ärztliche Direktor Professor Fabian Stuby.

Dennoch kam es schon zu mehreren tragischen Unfällen: Am Maifeiertag starb ein 39-Jähriger aus Schliersee (Kreis Miesbach). Er verlor auf einem Feldweg unterhalb des Rohnberggipfels bei der Abfahrt die Kontrolle über sein Mountainbike und prallte gegen einen Baum. Obwohl er Schutzausrüstung und professionelles Gerät hatte, starb er am Unfallort. Auch ein 69-jähriger Mountainbiker wurde tödlich verletzt: Anfang April stürzte er auf einem Parcours in einem Wald bei Fürstenfeldbruck. Im Mühltal (Kreis Starnberg) gab es zuletzt ebenfalls zwei schwere Stürze von Mountainbikern, die querfeldein fuhren.

Abseits der Waldwege ist das Radeln eigentlich verboten (siehe Interview unten). Trotzdem sorgen Radler auf so genannten „Trails“ in vielen Landkreisen gerade für Konflikte. Im Kreis Starnberg plädiert der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Hartwig Görtler, sogar für Betretungsverbote der Wälder zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten und auch am Taubenberg (Kreis Miesbach) beklagen Land- und Forstwirte, dass die Situation ausarte.

Radler sollen also auf den Wegen bleiben – und einen Helm tragen. „Leider ist noch immer nicht bei allen Radfahrern angekommen, wie wichtig das ist“, sagt Polizeisprecher Martin Emig. Dafür plädiert auch Michael Graf: „Erfahrungen zeigen, dass circa 90 Prozent der getöteten Radfahrer keinen Helm trugen“, erklärt er. Bei den schwer- und leichter verletzten Radlern seien es zwei Drittel. Torben Maue hat einen weiteren Tipp: „Es ist sinnvoll, einmal im Jahr das Rad überprüfen zu lassen.“ Die Kontrolle der Reifen und des Luftdrucks oder kleinere Reparaturen seien schnell erledigt – und bringen noch mehr Radlspaß. cla/tog/ike/aw

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