Hüttenwirte und Wanderer bangen um den Bergsommer

von Redaktion

Garmisch-Partenkirchen – Eigentlich hätte Hans-Peter Gallenberger in diesen Tagen die ersten Wanderer auf der Brunnsteinhütte bei Mittenwald (Kreis Garmisch-Partenkirchen) bewirtet. Stattdessen macht er Renovierungsarbeiten – denn auch seine Hütte ist gerade geschlossen. „Ich habe Zimmermann gelernt und nutze jetzt die Zeit“, sagt er. Vom Deutschen Alpenverein (DAV) bekomme er Unterstützung und hat so wenigstens ein paar Einnahmen.

Ob und wann die Berghütten öffnen können, ist unklar. Beim DAV heißt es, man warte auf die Entscheidungen der Politik in Bayern und in Österreich. Eine internationale Arbeitsgruppe habe Vorschläge erarbeitet, wie eine Öffnung und ein Sommerbetrieb mit sehr viel Abstand aussehen könnte, sagte DAV-Sprecher Thomas Bucher. „Wir hoffen darauf, dass die Hütten öffnen können.“

Derzeit sind alle 321 bewirtschafteten und öffentlich zugänglichen DAV-Hütten in Deutschland und Österreich zu – oft aber unabhängig vom Coronavirus. Um diese Jahreszeit sind viele Hütten noch geschlossen; im Hochgebirge öffnen sie teils erst im Juni. Auch die Almen sind noch nicht bewirtschaftet. „Die Almsaison hat noch nicht begonnen“, sagte Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Weil es heuer wenig Schnee gab, könnte es etwas früher losgehen – aber ein paar Wochen werden noch vergehen. „Anfang Juni kann man dieses Jahr vielleicht damit rechnen.“

Getränke und Essen zum Mitnehmen könnten Hütten und Almbauern nach den behördlichen Regelungen jetzt schon verkaufen – wie andere Gastronomiebetriebe auch. Ein paar Hütten denken darüber nach. So auch Hans-Peter Gallenberger. „Ich muss noch abklären, was möglich ist“, sagt er. „Aber ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, das zu machen.“ Eine weitere Idee sei zum Beispiel, Bänke auf der Wiese bei der Hütte aufzustellen. „Dann könnten die Leute verteilt sitzen, wenn sie ihre Brotzeit essen“, sagt er.

Der DAV und die Bergwacht mahnen jedoch derzeit noch zum Verzicht auf Bergsportaktivitäten, um die Unfallgefahr zu reduzieren: „Unsere Empfehlung steht: Bitte keine Bergtouren unternehmen“, sagt DAV-Sprecher Bucher. Lifte und Seilbahnen sind geschlossen, viele Wanderparkplätze ebenfalls.

Die Warnung soll aber voraussichtlich nicht für den ganzen Sommer gelten. „Wir analysieren die Situation dauernd“, sagte Bucher. „Wir warten das nächste Wochenende ab. Wir werden uns auch die Infektionszahlen ansehen und nächste Woche über eine mögliche Neuempfehlung nachdenken.“

Wie ein regulärer Hüttenbetrieb in Corona-Zeiten aussehen könnte, ist offen. Gast- und Schlafräume bieten wenig Platz – und manche Häuser waren bisher regelmäßig überfüllt. An besonders beliebten Routen mussten Hüttenwirte teils Isomatten im Wirtsraum auslegen, weil die Matratzenlager voll waren. Auf DAV-Hütten gilt: Wer Schutz sucht, darf nicht abgewiesen werden. Auf der Brunnsteinhütte gibt es normalerweise 42 Übernachtungsplätze. „Vielleicht könnte man die Zahl reduzieren“, schlägt Hans-Peter Gallenberger vor. „Möglich wäre eventuell, dass nur Familien im Verbund in einem Raum schlafen. Wir müssen ein Konzept ausarbeiten.“  lby, cla

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