München – In der Corona-Krise stehen Millionen Menschen offensichtlich später auf als sonst – und gehen später unter die Dusche. Die Stadtwerke in mehreren Kommunen beobachten in ihren Messdaten zum Strom- und Wasserverbrauch coronabedingte Veränderungen.
„Morgens nutzen unsere Kundinnen und Kunden derzeit später Strom als sonst“, sagt ein Sprecher der Stadtwerke München. Mittags steigt der Stromverbrauch – die Münchner Stadtwerker vermuten, dass mehr daheim gekocht wird. Bei den Augsburger Stadtwerken heißt es, dass der Anstieg des Stromverbrauchs am Morgen etwa eine Stunde später einsetzt als normal.
Zudem liegt die Vermutung nahe, dass deutschlandweit viele Menschen erst nach dem Frühstück duschen. „Die morgendliche Abgabespitze verschiebt sich um gut zwei Stunden“, heißt es bei Hamburg Wasser. Unter der Woche fließt normal zwischen 7.45 und 8.15 Uhr das meiste Wasser – diese Spitze hat sich auf die Zeit zwischen 9.30 und 10.00 Uhr verschoben. In Essen sind die Veränderungen ähnlich.
Doch es gibt auch schwer erklärliche regionale Unterschiede: „Man sieht, dass sich die Morgenspitze am Montag von 7.30 Uhr auf 9.00 Uhr verschiebt“, sagt eine Sprecherin der Dresdner Stadtwerke Drewag. „Das heißt, dass die Leute früh später aufstehen und duschen“ – doch sind die Dresdner damit noch immer eine halbe Stunde früher dran als die Hamburger.
Dass viele Bürger später in den Tag starten, liegt auf der Hand, wie ein Stadtwerker meint. Wer daheim arbeitet, spart sich den Arbeitsweg, und wenn die Kinder nicht zur Schule müssen, können sie später frühstücken.
Die Datenlage ist aber nicht eindeutig. Mancherorts beobachten die Stadtwerke keine zeitliche Verschiebung. Und in Würzburg oder Nürnberg steigt der morgendliche Stromverbrauch zwar langsamer an als vor der Krise, aber nicht wesentlich später.
Die Messung des Verbrauchs ist ebenfalls nicht überall identisch. Zudem verfügen viele Kommunen nicht über genaue Daten zur Netzauslastung im Tagesverlauf.
In München können sich nicht nur die Stadtwerke ein Bild vom Lebensrhythmus der Bürger in der Corona-Krise machen. Der kommunale Netzbetreiber M-Net hat Telefon- und Datenverkehr analysiert: Wenig überraschend ist der Datenverkehr am Vormittag stark angestiegen. Das Festnetztelefon erlebt mit einer Steigerungsrate von 50 Prozent ebenfalls eine Renaissance.
Und in Sachen Freizeitgestaltung profitieren nicht nur Netflix und Youtube, sondern auch die Videospielindustrie: „Der Gaming Traffic ist gegenüber Februar um 50 Prozent angestiegen und bleibt auf diesem Level“, sagt ein Sprecher. Möglicherweise parken manche gestressten Eltern ihre Kinder vor der Playstation.