München – Kultusminister Michael Piazolo (FW) gehört – ganz anders als sein Parteifreund Hubert Aiwanger – bei den Corona-Lockerungen eher zu der Fraktion der Vorsichtigen. Schule sei „ein besonderer Schutzraum“, Seriosität gehe vor Schnelligkeit, sagte er gestern. Nach längerem Zögern gibt es nun auch eine Maskenpflicht an der Schule, freilich nicht im Unterricht, sondern nur in der Pause und auf den Gängen. Die Schule wird nicht sofort für alle geöffnet, sondern nur für manche Jahrgänge und auch das nur in Stufen. Die Ferien bleiben unangetastet – der Appell von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, zumindest die Sommerferien zu verkürzen, hat bei der bayerischen Staatsregierung nicht gefruchtet. Folgende Etappen sind nun geplant:
. Ab 11. Mai sollen die Vorabschlussklassen wieder in die Schule gehen, am Gymnasien also die Elftklässler, an der Realschule die 9. Klasse, an der Mittelschule die 8. Klasse. Hinzu kommen die Viertklässler der Grundschule. Je nach Schulart soll aber nicht die ganze Jahrgangsstufe zurückkehren, sondern im Wochenrhythmus gewechselt werden. . Ab 18. Mai soll der Unterricht wieder losgehen für die 1. Klasse der Grundschule, die 5. Klasse der Mittelschule sowie die 5. und 6. Klasse der Realschulen und der Gymnasien. Hier setzt Kritik von vielen Seiten ein. „Es wäre doch wichtiger gewesen, erst die Mittelstufe in die Schule zurückzuholen als die ganz Kleinen“, sagt Landesschülersprecher Joshua Grasmüller. Denn die Unterstufe sei ja schon im G9, könne Lerndefizite, die jetzt entstehen, später wieder ausgleichen. Auch Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, zeigt sich überrascht, dass die Erstklässler und nicht zum Beispiel die 3. Klasse in die Grundschule zurückgeholt wird. „Das hätte man auch anders entscheiden können.“ Insgesamt sei es aber „ein ehrgeiziger Fahrplan, was die Zeit vor den Pfingstferien angeht“. Die Umsetzung könnte kompliziert werden: Aus einem gestern Nachmittag versandten kultusministeriellen Schreiben (KMS) geht hervor, dass alle Jahrgangsstufen „gestaffelt in geteilten Lerngruppen“ unterrichtet werden sollen, in der Regel wöchentlich. Das bedeutet, dass jeweils die Hälfte des Jahrgangs erst am 25. Mai beginnt. Wie geteilt wird, dürfte die Schule vor Ort regeln.
. Eine Herausforderung wird wohl die Schulzeit nach den Pfingstferien (ab dem 15. Juni). Dann sollen alle Schüler wieder in die Schule gehen. „Ein wochenweise gestaffelter Unterrichtsbetrieb wird auch hier die Regel sein“, heißt es im KMS. „Mit Ausnahme der Abschlussklassen der weiterführenden Schulen“ würden alle Jahrgangsstufen dem Wochenwechsel unterworfen, erläutert, ein Sprecher des Ministeriums. Dies betrifft dann auch die Q11 am Gymnasium.
Schon jetzt gibt es Lehrer, die vor zu viel Hin und Her warnen. „Die Lehrkraft unterrichtet die halbe Klasse in Präsenz in der Schule. Gleichzeitig unterrichtet sie die andere Hälfte zuhause?“, fragt Tobias Schreiner, Rektor der Realschule Tegernseer Tal ungläubig auf Twitter. Der Bayerische Philologenverband befürchtet eine Überlastung der Lehrer durch die Wechselmodelle. Simone Fleischmann findet zumindest einen Wechsel wöchentlich besser, als tageweise zu rollieren.
Eine andere Sorge hat Susanne Arndt von der Landes-eltern-Vereinigung der Gymnasien: „Wir brauchen endlich Vorgaben für den Online-Unterricht.“ Auch der läuft ja weiter. Es sei nicht geregelt, wie oft in der Woche die Lehrer Kontakt mit den Schülern haben müssten. Außerdem benötige jeder Schüler ein Endgerät, „und damit meine ich nicht das Handy“. „Klar, dass das teuer ist“, aber es sei nun mal wichtig.