Die Reiter scharren mit den Hufen

von Redaktion

Starnberg – Heute nehmen Reitvereine und -ställe den Publikumsbetrieb wieder auf. Während des Shutdowns waren dort nur Privatreiter, sprich Pferdebesitzer oder Reitbeteiligungen, unterwegs. Unterricht war verboten, sogenannte Schulreiter, die auf Vereins- oder stalleigenen Pferden Stunden nehmen, mussten zu Hause bleiben. Vor einigen Wochen gab es eine kleine Lockerung: Einzelunterricht im Gelände wurde erlaubt.

Das war allerdings nicht für alle Ställe eine Option. „Das wäre bei uns unter Umständen lebensgefährlich“, sagt Michaela Steinbauer vom Reitclub Deggendorf. Viele Reitschülerinnen saßen schließlich coronabedingt seit Wochen nicht mehr auf dem Pferd. Und im Gelände sind die Tiere für gewöhnlich schwerer zu führen. Dass nun der reguläre Unterricht in der Halle oder auf dem Außenplatz wieder stattfinden darf, rettet vor allem die Vereine, aber auch zahlreiche Privatställe mit Reitschule erst mal vor dem Ruin. Denn im Gegensatz zu anderen Sportclubs und -stätten haben sie nicht nur laufende Betriebsausgaben für Personal und Anlagen, sondern auch für ihr tierisches Kapital: die Pferde.

Für den Reitclub St. Georg im Starnberger Ortsteil Hanfeld waren die vergangenen Wochen eine Zitterpartie. Zwar bezieht der Verein von seinen Mitgliedern feste Beiträge, doch um die Kosten für Pacht, Boxeneinstreu, Mistabholung, Hufschmied, Tierarzt, Futter und zwei feste Mitarbeiterinnen zu stemmen, braucht er die Einnahmen durch den Reitunterricht. Und der fiel komplett aus, auch für Privatpferdebesitzer. „Es ging hin und her“, resümiert die Vorstandsvorsitzende Barbara Kuchtner. „Kurzfristig hieß es seitens des Landwirtschaftsministeriums, Einzelunterricht draußen auf dem Reitplatz sei erlaubt. Das wurde aber wieder zurückgezogen.“ Einzelunterricht im Gelände kam für den Verein auch nicht infrage. „Wir setzten darauf, dass unsere Mitglieder die Reitstundenabos weiter laufen lassen, denn die Pferde brauchen schließlich etwas zu essen.“ Corona-Soforthilfen oder ähnliche Unterstützungspakete gab es für die Hanfelder bisher nicht. Andere Ställe hatten mehr Glück, etwa Susanne Fuß, die bei Feldkirchen-Westerham einen Hof mit 15 Pferden und Reitschule betreibt. „Ich habe drei Wochen nach meinem Antrag 5000 Euro Soforthilfe bekommen“, berichtet sie. „Das deckt aber nicht viel mehr als einen Monat ab.“ Um zu überleben, nutzte Fuß die Möglichkeit der Einzelausritte im Gelände für Geübte und setzte auf Online-Theorie-Unterricht sowie Online-Coaching, etwa für ängstliche Reiter oder Pferdebesitzer mit Problempferden.

Der Bayerische Reit- und Fahrverband (BRFV), bestätigt, dass die offiziellen Hilfsgelder nicht überall ankamen. „Wir haben von Vereinen gehört, denen innerhalb von 14 Tagen die Soforthilfe überwiesen worden ist, andere warten seit Mitte März darauf“, erklärt Geschäftsführer Michael Hohlmeier. Durch die Möglichkeit, nun wieder Reitunterricht anzubieten, scheint die finanzielle Krise fürs erste gemildert. KATRIN HILDEBRAND

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