München – Die drei Neu-Bayern strahlen um die Wette: die Architektin Verena Voppichler aus Italien, der Elektrotechniker Emrah Tasdemir aus der Türkei und der Webdesigner Dinko Skopljak aus Bosnien-Herzegowina sind vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gestern als deutsche Staatsangehörige begrüßt worden. Sie stehen stellvertretend für 20 977 Ausländer – davon 11 531 Frauen –, die 2019 die deutsche Staatsbürgerschaft im Freistaat erhielten. Das sind 16,1 Prozent mehr im Vergleich zu 2018.
Eine Steigerung, die der Minister ausdrücklich begrüßt, lädt er doch alle gut integrierten Bürger mit ausländischen Wurzeln ein, ihren Anspruch auf Einbürgerung wahrzunehmen. Denn nur so können sie die Gesellschaft auch politisch mit allen Möglichkeiten mitgestalten.
Es sind aber nicht Italiener oder Türken, die 2019 in Bayern an der Spitze der Einbürgerungen standen. „Großbritannien frist“ konnte der Innenminister sozusagen verkünden: 2087 Anträge wurden allein Bürgern aus dem Vereinigten Königreich bewilligt – ein „eindeutiger Brexit-Effekt“, wie Herrmann betonte. Noch im Jahr zuvor hätten die meisten Briten, die hier gut integriert leben, keinen Anlass dafür gesehen, sich in Deutschland einbürgern zu lassen. 2015 sind gar nur 86 Briten Deutsche geworden. Wegen des bevorstehenden Ausscheidens Großbritanniens aus der EU stürmten sie nun an die Spitze. Der Grund ist klar: Noch bis zum 31. Dezember 2020 können sie nach geltendem EU-Recht ihre britische Staatsbürgerschaft neben der deutschen behalten. Das ermöglicht ihnen Freizügigkeit in der gesamten EU. Als Briten haben sie das künftig nicht.
Bei den Einbürgerungen aus europäischen Staaten folgen auf Großbritannien Rumänien (1972), Italien (1023), Polen (887) und Kroatien (594). Die meisten Einbürgerungen aus Ländern außerhalb der EU erfolgten aus der Türkei (2019/2018: 2135) und aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien und dem Kosovo (1306). Die Einbürgerung ist laut Herrmann mehr als ein formeller Akt. „Sie haben mit Ihrer Entscheidung, deutsche Staatsangehörige zu werden, auch ein starkes Signal für unser Land gesetzt.“ Er appellierte an die Neubürger, ihre Möglichkeiten zur Teilhabe und Mitgestaltung zu nutzen. „Tragen Sie dazu bei, unser Land verdienstvoll weiterzuentwickeln.“ Der Bürgerkriegs-Flüchtling Dinko Skopljak hat das vor: Er will sich als Deutscher politisch gegen einen Rechtsruck engagieren. CLAUDIA MÖLLERS