München – Besondere Zeiten bedingen oftmals besondere Maßnahmen. Und die Corona-Not macht erfinderisch. Nachdem die Wiesn wegen der anhaltenden Pandemie vorsorglich abgesagt werden musste, will die Stadt nun mit einem außergewöhnlichen Konzept den Wiesn-Schaustellern unter die Arme greifen. Den Schaustellern brechen nämlich alle Einnahmen weg, da das Verbot von Großveranstaltungen absehbar nicht aufgehoben wird. Das Frühlingsfest ist bekanntlich ebenfalls ausgefallen.
Nun hat das Referat für Arbeit und Wirtschaft ein Konzept ausgearbeitet, das Schaustellern dennoch Einnahmen sicherstellen soll. Es sieht vor, die Fahr- und Spielgeschäfte bereits ab Juli über das gesamte Stadtgebiet zu verteilen. Damit will die Verwaltung nicht nur den Schaustellern helfen, wenig frequentierte Plätze könnten im Sommer ganz neu belebt werden. Münchner, die wegen der Pandemie lieber auf den Urlaub verzichten oder schlicht nicht fahren können, hätten zusätzliche Anreize, den Sommer in der Landeshauptstadt zu verbringen. Ferner sind in dem Konzept offenbar auch Kooperationen mit örtlichen Bezirksausschüssen, Vereinen und Kulturveranstaltern geplant. Obendrein würde durch ein derartiges Vorgehen auch erreicht, dass sich in München nicht alles an den bislang bekannten Hotspots abspielt, etwa am Marienplatz oder dem Olympiapark. Das böte auch Anreize für die ortsansässige Gastronomie.
Das Konzept soll so umgesetzt werden, dass es den bis dahin bestehenden Verboten, etwa dem von Großveranstaltungen, nicht zuwiderläuft. Ferner sind auch bei den dezentralen Angeboten die Abstands- und Hygieneregeln zu beachten.
Die Schausteller leiden mit am meisten unter der Absage des Oktoberfestes. Wie berichtet, war auch bereits die Idee aufgekommen, als Kompensation die Wiesn im kommenden Jahr zu verlängern. Dem hatte OB Dieter Reiter (SPD) im Interview mit unserer Zeitung allerdings nur wenig Aussicht auf Erfolg eingeräumt. „Ich weiß, dass beispielsweise die Bedienungen, die Sanitäter, Polizei und Sicherheitskräfte am Ende der 16 Tage Wiesnzeit schon ziemlich geschlaucht sind. Eine Verlängerung wäre also für die Beschäftigten, aber auch für die Anwohner nur schwer zu verkraften.“ CSUFraktionschef Manuel Pretzl hatte zwischenzeitlich beantragt, den Schaustellern etwa im Bereich der Fußgängerzone in der Altstadt sowie an anderen geeigneten Stellen in der Stadt Standplätze zur Verfügung zu stellen – allerdings zum Verkauf von Snacks oder dergleichen.
Der Präsident des Deutschen Schaustellerbunds, Albert Ritter, hatte überdies vor einer Pleitewelle gewarnt: „Wenn von staatlicher Seite ein Berufsausübungsverbot ausgesprochen wird, dann muss auch von staatlicher Seite geholfen werden.“ Ritter forderte außerdem zu prüfen, ob kleinere Volksfeste im späteren Jahresverlauf nicht eventuell doch möglich seien.
Münchens Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärnter (CSU) wollte sich auf Anfrage zu den Details des Konzepts nicht äußern, ob beispielsweise auch Riesenrad und Geisterbahnen aufgestellt werden. „Wir werden das Konzept mit den Fraktionen und dann in der Vollversammlung besprechen. Ziel ist es, den Schaustellern zu helfen und die einzelnen Stadtviertel im Sommer zu beleben.“ Der Feriensenat soll sich am Mittwoch mit dem Konzept beschäftigen.