Corona-Vorsorge: Allergie behandeln

von Redaktion

Allergiker sind zurzeit besonders gepeinigt: Nicht nur Birken- und Eschenpollen quälen sie, auch das Coronavirus und die Pflicht zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes bereiten Sorgen. Allergologe Adam Chaker von der TU München rät vor allem: „Nehmen Sie Ihre Medikamente!“

VON CLAUDIA MÖLLERS

München – Pollen-Allergiker sind zurzeit nicht nur doppelt, sondern gleich dreifach geschlagen: Die auslaufende Infektsaison ist noch nicht überwunden, dann leiden sie unter einem der heftigsten Pollenflüge der vergangenen zehn Jahre und dazu nun auch noch die Corona-Gefahr. Viele Patienten sind verunsichert, ob ihre Allergie-Medikamente sie nicht gerade empfänglicher machen für eine Infektion mit dem Coronavirus. Das erfährt der Allergologe Dr. Adam Chaker vom Klinikum rechts der Isar gerade immer wieder bei Gesprächen mit Patienten.

Pollen-Allergiker hätten Angst, dass sie mit ihren Inhalationssprays empfindlicher für das Virus seien, weil sie glaubten, das Immunsystem werde damit unterdrückt. Sie kann Chaker beruhigen: „Diese Sprays bewirken eine Immunmodulation. Sie versuchen, die übertriebene Abwehrreaktion des Systems in der Lunge und den oberen Atemwegen zu kontrollieren und damit die Entzündungsreaktionen, die durch den Pollen ausgelöst werden, zu reduzieren.“ Wenn die allergische Entzündungsreaktion nicht kontrolliert wird, würden die Zellen in einen Alarmzustand versetzt. Und das könnte dazu führen, dass Viren besser angreifen können.

Daher die dringende Empfehlung der Fachleute: Bestmöglich die Symptome kontrollieren, indem man die verschriebenen Medikamente nutze: „Optimale Kontrolle der Allergiesymptome ist sicher eine gute Strategie, um Virusinfektionen zu vermeiden.“

Chaker rät den Patienten gerade in der Corona-Krise, sich kompetent ärztlich beraten zu lassen. „Scheuen Sie nicht den Kontakt – im Zweifelsfall auch telefonisch – mit dem behandelnden Allergologen. Das ist extrem wichtig.“ Gerade auch, weil Pollen-Allergiker wegen der Pandemie vor einem Arztbesuch zurückschrecken. Für 80 Prozent der Patienten sei es keine große Kunst, sie medizinisch gut einzustellen, das könnten die Allergologen sehr gut. Viel wichtiger ist für Privatdozent Chaker zusätzlich der Präventionsgedanke: „Menschen, die mehr als vier Tage die Woche und mehr als vier Wochen im Jahr Heuschnupfen-Symptome haben, sollten ernsthaft darüber nachdenken, sich im Herbst eine Hyposensibilisierung verabreichen zu lassen.“ Damit reduziere man nicht nur seine Symptome, sondern vermeide langfristig Asthma. „Und drittens ist es eine Immunstimulation, die gut für die Abwehr ist.“ Damit auch gegen Corona.

Massiv werden Allergiker derzeit noch von den Birkenpollen beeinträchtigt. Das zeigt auch der Pollenflug-Dienst (https://epin.lgl.bayern.de/pollenflug-aktuell), bei dem man jeden Tag aktuell überprüfen kann, was an den verschiedenen Mess-Standorten durch die Luft fliegt. Langsam geht es auch mit den Gräserpollen los.

Dass Allergiker mit Atemwegsbeschwerden durch die Schutzmasken, die jetzt im öffentlichen Nahverkehr und in den Geschäften getragen werden müssen, zusätzlich Probleme beim Atmen bekommen, hängt laut Chaker von der Schwere der Erkrankung ab. „Ein schwerer Asthmatiker wird mit dem zusätzlichen Atemwiderstand durch die Masken viel mehr Schwierigkeiten haben als ein vergleichsweise gesunder Pollenallergiker.“ Einen direkten Nachteil durch die Maske sieht Chaker aber für den Pollenallergiker nicht.

Viel wichtiger sei es, die Symptome optimal medikamentös zu kontrollieren. Daher appelliert Chaker an die Patienten: „Nehmen Sie die Medikamente, die Sie brauchen, um eine Pollenallergie zu kontrollieren: Antihistaminika, lokale anti-entzündliche Sprays und die Augentropfen. Je besser Sie Ihre Pollensymptome kontrollieren, desto weniger wahrscheinlich ist es nach gegenwärtigen Stand des Wissens, dass Sie auch empfindlicher für ein Virus sind.“ Sicher sei es nicht sinnvoll, permanent in eine Maske zu niesen, weil diese dann durchfeuchtet und dadurch wirkungslos oder im Zweifel infektiös werde. Wenn man die Symptome bestmöglich reduziert, könne man das Niesen, Tränen und Naselaufen erheblich reduzieren. Dann stelle sich dieses Problem im Alltag so gut wie nicht.

Artikel 3 von 10