Martinsried – Mehrere hundert Liter Desinfektionsmittel haben zwei Forschergruppen der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in Martinsried und München-Großhadern hergestellt. Die beiden Gruppen, bestehend aus je drei Doktoranden sowie den beiden Leiterinnen, Apothekerin Stefanie Kellner und Chemikerin Sabine Schneider, vermittelten in den vergangenen Wochen auch Schutzkleidung wie Masken, Handschuhe und Kittel an Arztpraxen und Einrichtungen wie ein Kinderhospiz und die Bahnhofsmission.
„Wir hatten gehört, dass vielerorts ein großer Mangel an beidem besteht, und uns dann bei befreundeten Ärzten umgehört, wodurch sich der Eindruck bestätigte“, erzählt Stefanie Kellner von der LMU-Fakultät für Chemie und Pharmazie. „Im Kinderhospiz konnten Familien todkranke Kinder nicht mehr besuchen, viele Arztpraxen waren dringend auf der Suche nach beidem und deswegen wollten wir helfen“, erzählt Kellner.
Alle Schutzkleidung, die in den Laboren auf dem Campus nicht unbedingt gebraucht wurde, wurde von den Gruppen eingesammelt und weitergeleitet. Für die Desinfektionsmittel „holten wir uns zunächst bei den Behörden die Genehmigung zur Herstellung ein“. Seit Mitte März stellten die Wissenschaftler mehrere Wochen lang das Desinfektionsmittel in einem Labor auf dem Campus her. „Dies war vergleichsweise einfach. Es sind Alkohole wie Ethanol drin, aber auch zum Beispiel Wasserstoff-Peroxid zur Wirkungssteigerung und Glycerin zur Hautverträglichkeit.“ Die Wissenschaftler boten die Mittel zum Beispiel Praxen an. Das Angebot sprach sich dann rasch bei Arztpraxen und Einrichtungen wie auch einem Pflegedienst herum. Alleine die Bayerische Landesärztekammer bestellte 250 Liter zur weiteren Verteilung. „Alle freuten sich nach erster Skepsis sehr, dass wir den Engpass beheben konnten – vor allem, nachdem klar war, dass alles kostenlos ist.“ Die Kosten für die Rohstoffe im knapp fünfstelligen Bereich trägt die LMU. PETER SEYBOLD