Volkshochschulen hängen in der Luft

von Redaktion

Die Schulen öffnen langsam wieder, auch die Wirte und Hotelbesitzer bereiten sich auf Besucher vor – doch die Volkshochschulen und die Jugendzentren warten noch immer auf eine Perspektive. Sie hatten auf die gestrige Ministerratssitzung gehofft – doch vergebens.

VON KATRIN WOITSCH UND DIRK WALTER

München – Matthias Fack, der Präsident des Bayerischen Jugendrings, hat voller Erwartungen die Ergebnisse der gestrigen Ministerratssitzung abgewartet. Eigentlich sollte es auch darum gehen, wann die Jugendzentren und die Volkshochschulen wieder öffnen dürfen. Das Kultusministerium hatte in der Sitzungsvorlage dafür plädiert, dass das noch diesen Monat passiert. Doch dann kam: nichts.

Das Thema wurde im Kabinett zwar behandelt, doch Kultusminister Michael Piazolo (FW) konnte sich nicht durchsetzen. Der Grund: Zunächst sollen die Auswirkungen der jüngst beschlossenen Lockerungen abgewartet werden. Piazolo betonte: „Die Öffnungen der Volkshochschulen und Jugendzentren ist ein Anliegen von mir.“ Man müsse sich jedoch auf eine Gesamtlinie verständigen. Einen neuen Zeitplan nannte er nicht, sagte aber, er sei „hoffnungsfroh, dass es demnächst zur Öffnung kommt.“

Matthias Fack ist enttäuscht. „Ich hatte wirklich darauf gehofft, dass wir endlich planen können“, sagt Fack. „Wenn die Schulen und die Biergärten wieder öffnen, ist es wirklich schwer nachzuvollziehen, warum nicht auch die Jugendzentren unter besonderen Schutzmaßnahmen wieder aufschließen dürfen.“

Ein Schutzkonzept gibt es längst. Und die Öffnung wäre wichtig, betont Fack. „Viele Eltern können nicht mehr lange im Homeoffice arbeiten“, berichtet er. „Und viele Jugendliche können noch nicht in die Schule zurück. Es ist wichtig, ihnen Angebote zu machen – sonst treffen sie sich irgendwo anders. Ohne Schutzkonzept.“ Besonders mit Blick auf die Pfingstferien brauche der Jugendring eine Perspektive, betont er. „Ferien- und Freizeitangebote sind jetzt während der Krise wichtiger denn je – aber dafür brauchen wir eine gewisse Vorbereitungszeit.“

Ähnlich hoffnungsvoll wie Matthias Fack hatte Regine Sgodda, Vorstand des Bayerischen Volkshochschulverbands, gestern auf die Ergebnisse der Ministerratssitzung gewartet. „Wir brauchen unbedingt eine Perspektive, wann wir unsere Einrichtungen wieder öffnen können“, sagt sie. Auch die Volkshochschulen haben längst ein Konzept ausgearbeitet, um Kurse auch in Corona-Zeiten möglich zu machen. „Viele Einrichtungen stehen in den Startlöchern“, sagt Sgodda. Vor allem für die Dozenten sei die Perspektive wichtig. „Von den rund 30 000 vhs-Dozenten in Bayern bestreitet ein Drittel seinen Lebensunterhalt von den Honoraren.“ Rechtlich sind dem Verband die Hände gebunden, sie in der Krise finanziell zu unterstützen. Denn weil die Volkshochschulen öffentlich gefördert werden, dürfen sie kein Geld verschenken. „ Die Kursleiter müssen unbedingt in dem Soforthilfeprogramm für Künstler berücksichtigt werden“, sagt Sgodda.

Und auch für die Einrichtungen fordert der Verband einen Rettungsschirm. „Wir sind von der Krise nicht nur jetzt betroffen.“ Die Kurse werden nur in kleinem Rahmen fortgesetzt werden können, die Angebote werden reduziert bleiben. Und vermutlich werde es künftig aus Angst vor dem Virus auch weniger Teilnehmer geben. Der Verband rechnet bis einschließlich Juli mit einem Minus von 23,5 Millionen Euro, bis Ende 2021 sogar mit 74 Millionen Euro. Umso schlimmer ist es für Sgodda, dass sie und ihre Kollegen die vielen Teilnehmer, die gerade anfragen, nur vertrösten können – ohne zu wissen, auf wann. „Für viele sind die Kurse wichtig für Beruf oder Gesundheit“, betont sie. „Und das Gefühl der Ungleichbehandlung wird immer größer, je mehr wieder gelockert wird.“

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