München – „Aktuelle Überlastung“ – viele Schüler, die die Lernplattform Mebis nutzen, werden diesen Hinweis das ein oder andere Mal erhalten haben. In den ersten Wochen der Schulschließung brach Mebis öfters zusammen. Mittlerweile läuft es besser. 1,3 Millionen Nutzer, 40 mal so viele wie vor der Krise, sind angemeldet, 200 000 Aufrufe gibt es pro Tag.
Doch das System hat Lücken. Daher hat sich das Ministerium nun zum Kauf von MS Teams für alle rund 3600 weiterführenden Schulen entschlossen – für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, wie Kultusminister Michael Piazolo (FW) sagte. MS Teams ermöglicht Chats, Telefon- und Videokonferenzen mit der ganzen Klasse. Reine Schülerchats sind nicht möglich – daher ist Mobbing zumindest über diese Plattform eigentlich ausgeschlossen.
Der Kauf ist ein Baustein einer neuen digitalen Strategie, mit der das Kultusministerium die Schulen digital aufrüsten will. Der Fahrplan sei jetzt zumindest bis zum Beginn der Ferien klar, sagte Piazolo: Die meisten Schüler würden künftig regelmäßig eine Woche Präsenzunterricht in der Schule haben, danach eine Woche Lernen zu Hause. Beide Wochen zusammen solle man als „einen Block“ begreifen. Das heißt: Lehrer sollten in der Woche zu Hause Wissen vertiefen, das in der Woche zuvor beigebracht worden sei. Neuen Stoff zuerst digital zu vermitteln, sei nur „mit Augenmaß“ möglich. Piazolo wörtlich: „Neue grammatikalische Formen wie der Ablativus Absolutus sind im Lernen zu Hause kaum zu vermitteln.“ Er stellte erneut klar, dass Eltern „keine Ersatzlehrer“ seien und die Schule zu Hause „kein Homeschooling“ sei.
Die SPD forderte gestern, jeden Schüler mit digitalen Endgeräten auszustatten – und zwar kostenlos, wie SPD-Schulexpertin Simone Strohmayr betonte. Dazu sagte Piazolo, Schulen hätten bayernweit 50 000 Notebooks und Tablets zum Verleihen. Durch ein Bundesprogramm könne diese Zahl noch aufgestockt werden, aber klar sei auch, dass es regionale Unterschiede gebe und man hier besser werden müsse.
Aber wie lernen Schüler eigentlich zu Hause? Michael Graf ist Rektor der Realschule Schöllnach (Kreis Deggendorf) und hat eine Umfrage unter Eltern gemacht. Ergebnis: 62 Prozent der Schüler können einen eigenen Computerarbeitsplatz nutzen. Ein eigenes Tablet besitzen 57 Prozent. Knapp elf Prozent der Schüler müssen sich ihren Computer mit jemanden in der Familie teilen und 15 Prozent nutzen schlicht ihr eigenes Smartphone – was Graf für nicht optimal hält. Während Grafs Schule MS Teams schon nutzt und so auch mit den Eltern kommuniziert („eignet sich auch für Elternbeiratssitzungen“), ist es bei den Grundschulen anders. „Bei uns wird die E-Mail bevorzugt und auch oft telefoniert“, berichtete Sybille Krutschke, Rektorin der Grundschule an der Schäferwiese in München-Obermenzing. Arbeitsblätter würden auch mal in den Briefkasten gesteckt, je nachdem, wie die Situation im Elternhaus sei.
MS Teams für Grundschulen soll es nicht geben, aber eine andere digitale Nachrüstung. „Wir verhandeln noch“, sagte Piazolo.