93-Jährige besiegt das Virus

von Redaktion

VON PETER SEYBOLD

Gräfelfing/Planegg – Pi Büchner kann man nur als medizinisches Wunder bezeichnen: Die Künstlerin, die Ende April ihren 93. Geburtstag hatte und noch vor drei Jahren gemeinsam mit dem Gräfelfinger Kunstkreis eine Ausstellung im Rathaus der Gemeinde veranstaltete, hätte seit 15 Jahren blutdrucksenkende und herzunterstützende Medikamente nehmen müssen. „Das hat sie ein paar Tage gemacht, dann wieder nicht“, erzählt ihr Sohn Cornelius Büchner. Doch seine Mutter lebte lange ohne Medikamente, wenn auch nicht mit optimalem Blutdruck.

In diesem Februar wurde Pi Büchner mit akuter Herzinsuffizienz, Lungenemphysem und 19 Prozent Herzleistung in das Helios-Klinikum in München-Pasing eingeliefert. „Die Ärzte gaben ihr keine Überlebenschance und überwiesen sie auf die Palliativstation“, erzählt Cornelius Büchner. Der Gräfelfingerin ging es furchtbar schlecht. Die Familie hatte alle Hoffnungen aufgegeben. Doch im März konnte Pi Büchner die Palliativstation lebend verlassen. Die Herz-Medikamente, die sie in der Klinik bekam, hatten offenbar angeschlagen. Zu Hause wohnen konnte die alte Dame aber nicht mehr. Die Familie fand kurzfristig einen Platz im Alten- und Pflegeheim in Planegg im Landkreis München.

Kurz nachdem Büchner in das Heim gezogen war, machte die Einrichtung wie alle anderen zu. „Kurz darauf bekam ich einen Anruf, dass Corona ausgebrochen ist“, erzählt ihr Sohn. „Ich hatte meine Mutter mitten in ein Infektionsgebiet geschickt. Auch wenn ich das nicht wissen konnte, fühlte sich das natürlich nicht toll an.“ Das Virus brach zu dem Zeitpunkt bekanntlich in vielen Pflegeheimen aus.

Pi Büchners Zimmernachbarin steckte sich bald mit dem Virus an. Büchner wurde verlegt. Am 1. April wurde auch sie positiv getestet. „Ich befürchtete in ihrem Alter und bei ihren Vorerkrankungen an Herz und Lunge natürlich das Schlimmste und dachte, ich sehe sie nie wieder“, erzählt Cornelius Büchner. Doch es kam anders: Die alte Dame hatte keine Symptome. „Ihre Stimme ist stärker als seit Monaten.“

Inzwischen hat Pi Büchner das Virus überstanden und ist negativ getestet. Warum die Erkrankung bei ihr so milde verlief, ist unklar. „Vielleicht hatte sie sich schon mal mit anderen Coronaviren angesteckt und war immun. Wir wissen es nicht“, sagt Cornelius Büchner. „Richtig gesund war sie häufig nicht, sie hatte etwa große Bandscheiben-OPs. Doch sie war immer zäh, hat stets auf gesunde Ernährung geachtet und auf ihr Gewicht“, sagt Büchner. „Selbstverständlich ist man mit 93 Jahren in einem Alter, in dem man sterben kann. Trotzdem denke ich, dass ihre Geschichte vielen anderen Mut machen kann.“

Und Pi Büchner hat von ihrer Krankheit altersbedingt nicht mal viel mitbekommen: „Wenn ich ihr sage, dass sie das Virus hatte, versteht sie es. Aber das ist bald wieder weg. Neulich sagte sie, dass ihre neue Nachbarin so husten würde und sie Sorge hätte, dass sie sich mit diesem Virus ansteckt.“

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