München – An der Tür Aufkleber mit dem Maskensymbol, auf dem Flur strikter Rechts-Links-Verkehr – im Gänsemarsch betreten die Schüler der Grundschule an der Kirchenstraße in München-Haidhausen das Schulgebäude. Es ist für die Erstklässler der erste Tag nach neun Wochen Schulpause. Einige Mütter, die ihre Kinder am Eingang abliefern, sind sichtlich froh. „Meine Tochter hat ihre Lehrerin wirklich vermisst“, erzählt eine. Aber sie habe Verständnis für den vorsichtigen Beginn. „Ich hätte es sogar verstanden, wenn die Schule noch länger zu geblieben wäre.“
Nun aber ist sie offen. Vor einer Woche kamen die Viertklässler, gestern nun die Erstklässler. Die allerdings gestaffelt nur alle zwei Tage, wie Schulleiter Stefan Trescher erklärt. Bei den vierten Klassen ist es wieder anders: Eine Hälfte kommt von 8 bis 10.25 Uhr, die andere Hälfte von 11 bis 13.25 Uhr – täglich. Dazwischen müssen die Lehrer die Tische desinfizieren.
Zwei Politiker stehen neben Trescher im Schulflur, mustern die vielen Aufkleber an den Türen und nicken zustimmend. „Wir fahren die Schulen langsamer hoch, aber sicher und stabil“, sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Schnell platziert er für die Kamerateams ein paar Kernbotschaften: Es sei wichtig, dass das Schuljahr am Ende „kein verlorenes Jahr“ ist. Und: „Wir müssen schauen, dass wir Erlerntes nicht verlernen.“ Für die Sommerferien verspricht Söder, ohne konkreter zu werden, Angebote für „freiwilliges Nachlernen“. Für die Digitalisierung, also das Lernen zuhause, stellt er ein „größeres Programm“ in Aussicht.
Auch Kultusminister Michael Piazolo ist – mit dem Fahrrad – zur Schule gekommen. Schulen müssten „auf Sicht“ fahren, sagt er, Schulleiter könnten selbst entscheiden, wie sie den Unterricht staffeln. Das komme auch auf den Platz im Schulgebäude an.
Die Münchner Grundschule ist für 304 Kinder eher klein bemessen. Wenn es nach Pfingsten für alle losgeht, sagt Rektor Trescher, müsse vielleicht auch Unterricht in der Aula stattfinden. Er beruhigt: Schulstoff werde letztlich nicht viel verloren gehen. Der „Lehrplan Plus“ für 1. und 2. Klassen sei eine Einheit, man müsse also den zweijährigen Turnus sehen. In den ersten Klassen müsse man sich eben „auf die wesentlichen Dinge“ konzentrieren. Konrektorin Gabriele Zäch, die eine der vierten Klassen unterrichtet, nutzt die wenigen Stunden am Tag zum Üben: „Es steht noch einiges an“, sagt sie.
Drei Kinder in ihrer Klasse sitzen gerade vorne auf Kissen und müssen schriftlich dividieren. 738:3 = 246 steht an der Tafel. Der Rechenweg wird abgefragt. Der Lehrerin ist klar, dass sie einiges aufholen muss. Gewichte, Hohlmaße, das zum Beispiel war noch nicht dran. Schulleiter Trescher sagt dazu, die Lehrer müssten eben auswählen, genau gewichten. „Das ist jetzt die Frage, ob Hohlmaße wirklich wichtig sind.“
Auch die Eltern von Zweit- und Drittklässlern wären wahrscheinlich froh, wenn es auch für ihre Kinder losginge. Das wird erst nach den Pfingstferien der Fall sein. Für die letzten zwei Wochen bis zu diesen Ferien will Kultusminister Michael Piazolo (FW) nur ein „ganz schmales“ Angebot versprechen.
Was das konkret heißt, erläutert Schulleiter Trescher: „Wir überlegen ein Nachmittagsangebot.“ Vielleicht 90 Minuten an einem Tag sollen die Schüler kommen. Damit sie Schule nicht ganz verlernen. „Der persönliche Kontakt wäre schon wichtig“, sagt der Rektor.