Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pflegeheim

von Redaktion

Fälle von Körperverletzung in Seniorenresidenz in Schliersee – Auch früher schon Vorwürfe gegen Einrichtung

Schliersee – In einer Pflegeeinrichtung in Schliersee (Kreis Miesbach), die besonders von der Ausbreitung von Covid-19 betroffen war, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft München II. Es geht um mehrere Fälle von Körperverletzung infolge unzureichender Corona-Schutzmaßnahmen.

In der Seniorenresidenz, die im August 2019 vom italienischen Betreiber Sereni Orizzonti übernommen worden war, haben sich bislang 18 Bewohner und sieben Mitarbeiter mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert. Ein Bewohner und eine Mitarbeiterin starben im Zusammenhang mit Corona. Sieben Bewohner werden stationär im Krankenhaus betreut, die übrigen 87 im Heim verbliebenen sind nach Angaben des Landratsamts stabil.

Offenbar hat das Virus und die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen das Heim komplett überfordert. Lücken in der Abschirmung ermöglichten Infektionen auch beim Personal, und der damit verschärfte Engpass beschleunigte die Situation. Das Landratsamt griff umgehend nach Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle im Heim ein und organisierte mithilfe der Bundeswehr, die seit einer Woche vor Ort ist, sowie Mitarbeitern von BRK und THW eine stabile personelle Ausstattung. Die Auflagen des Gesundheitsamts werden durch die 33 eingesetzten Pflegekräfte der Bundeswehr, des Pflegepools und die verbliebenen Mitarbeiter des Trägers nun umgesetzt. Mittlerweile wurde eine neue Pflegedienstleitung eingesetzt. Auch hat der Betreiber eine neue Heimleitung installiert und ein paar Leihkräfte verpflichtet.

Für Pflege-Experte Claus Fussek sind die Vorwürfe gegen das Schlierseer Pflegeheim keine Überraschung. Es habe in der Vergangenheit immer wieder Vorfälle gegeben, berichtet er. „Es ist wohl einzigartig in Deutschland, dass die Bundeswehr in einem Pflegeheim übernehmen muss“, betont er. „Das sagt schon alles.“ Die Vorwürfe gegen das Heim, die auch ihm zu Ohren gekommen sind, seien so gravierend, dass es längst hätte geschlossen werden müssen. „Passiert ist wieder nichts, weil alle schweigen.“ Die Gemeinde, die Krankenhäuser, die Pflegekräfte, jetzt auch die Bundeswehrsoldaten – ihnen allen wirft Fussek vor, keine Verantwortung für die alten Menschen übernommen zu haben. „Das macht mich fassungslos“, schimpft er. „Jetzt, wo die Staatsanwaltschaft ermittelt, erwarte ich, dass endlich jemand den Mund aufmacht.“ DIETER DORBY KATRIN WOITSCH

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