Volksfest-Flair zum Mitnehmen?

von Redaktion

VON CLAUDIA SCHURI

München – Es gibt Hendl, Schweinshaxen, Steckerlfisch, Käsespätzle und viele weitere Schmankerl: Am Stand von Jochen Mörz duftet es nach Volksfest. Noch vor Kurzem stand er damit in Mammendorf (Kreis Fürstenfeldbruck), ab morgen in Fürstenfeldbruck und ab dem 5. Juni in Puchheim.

Ohne die Corona-Krise würde Mörz in diesen Tagen das Festzelt auf dem Mammendorfer Volksfest betreiben – jetzt bietet er ein sogenanntes „Volksfest to go“ an: „Wir bringen den Bürgern einen Teil des Volksfestes ins Wohnzimmer“, erklärt er. „Es wird gut angenommen.“ Die Besucher holen sich mit dem Essen ein wenig Volksfestgefühl nach Hause – und der Gastronom hat zumindest ein paar Einnahmen. „Der Umsatz ist nicht mit dem Volksfest vergleichbar und reicht nicht aus, um die Kosten zu decken“, berichtet er. „Aber es ist eine kleine Unterstützung.“

Alternativen zu den Volksfesten werden gerade in vielen bayerischen Städten gesucht. In München hat der Stadtrat am Mittwoch einstimmig beschlossen, dass im Sommer in der Stadt dezentral Buden und andere Attraktionen aufgestellt werden dürfen. Eine ähnliche Idee gibt es in Rosenheim. Dort wird überlegt, als Ersatz für das Herbstfest die Aktion „Sommer in Rosenheim“ zu organisieren. „In der Innenstadt könnten an verschiedenen Plätzen kleinere Fahrgeschäfte wie zum Beispiel ein Kinderkarussell aufgestellt werden“, sagt Christian Schwalm von der Pressestelle der Stadt. Auch Stände, an denen zum Beispiel gebrannte Mandeln oder Zuckerwatte verkauft werden, seien denkbar. „Sie sollen der Gastronomie keine Konkurrenz machen“, sagt Schwalm. Der Stadtrat muss noch darüber abstimmen.

In Gmund (Kreis Miesbach) fand bereits ein „Volksfest zum Midnehma“ statt, bei dem deftige Gerichte und Naschereien verkauft wurden, und auch in Wartenberg (Kreis Erding) boten Schausteller ihre Volksfest-Leckereien an. Ähnliche Pläne gibt es in Großkarolinenfeld und Bad Aibling (Kreis Rosenheim). Auch in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) werden noch alternative Volksfest-Modelle diskutiert. Bis jetzt wurde das Volksfest dort noch nicht abgesagt. In Dachau dagegen steht schon fest, dass es heuer kein Volksfest geben wird. Drei Stadträte hatten die Idee, ein Zelt aufzubauen, das mit dem Auto durchfahren werden kann. Musik und Bilder von Festen der vergangenen Jahre sollten für Volksfeststimmung sorgen, an Schaltern sollte es Speisen geben. Der Vorschlag stieß jedoch auf Skepsis.

Ein Ausgleich für die großen Volksfeste seien die Alternativ-Varianten sowieso nicht, sagt Peter Bausch vom Münchner Schausteller-Verein. „Es kann zwar ein bisschen helfen, aber den regulären Geschäftsbetrieb nicht ersetzen.“ Er sieht die Politik in der Pflicht. „Wir brauchen ein Zeichen, wann ein Regelbetrieb wieder möglich ist“, sagt er. „Und der Staat muss den Schaustellern unter die Arme greifen.“ Ein Rettungsschirm sei notwendig.

Das fordert auch der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes Albert Ritter: „Es sieht finanziell wirklich dramatisch aus“, erklärt er. „Wir haben ein staatliches Berufsausübungsverbot.“ Vorschläge wie „Volksfest to go“ seien zwar ein „Tropfen auf den heißen Stein“. „Aber die Betriebe können dadurch nicht erhalten bleiben.“

Zumal manche Schausteller gar nicht von derartigen Aktionen profitieren würden, wie Peter Bausch erklärt: „Für viele Fahrgeschäfte braucht man eine gute Infrastruktur“, sagt er. Normalerweise ist er mit seinem Fahrgeschäft „Top Spin No.1“ unter anderem auf der Wiesn, dem Augsburger Plärrer, dem Volksfest in Ingolstadt und dem Gäubodenvolksfest. Die Fahrgäste sitzen in einer langen Gondel, Überschläge und Wasserfontänen sorgen für den ultimativen Adrenalinkick und viel Spaß. „Ich brauche zum Beispiel einen hohen Stromanschluss“, erklärt er. Einfach auf einer Freifläche das Geschäft aufzubauen funktioniere nicht. Es lasse sich nicht pauschal sagen, ob ein Ersatz für abgesagte Volksfeste möglich ist. „Das kommt immer auf die Situation an“, erklärt Bausch. „Das muss man für jede Stadt individuell bewerten.“

Gastronom Jochen Mörz jedenfalls ist froh um seinen Stand. Er hat schon eine neue Idee: „In Puchheim möchte ich Bierbänke aufstellen“, kündigt er an. Dann hofft er, dass zumindest ein bisschen Volksfest-Gemütlichkeit aufkommt – auch ohne Festzelt.

(mit gr/kl/wos/nej/zip/lby)

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