München – Ein wenig mulmig ist Thomas Bucher schon, wenn er an die kommenden Tage und die Pfingstferien denkt. „Das wird vermutlich ein ziemlich großer Ansturm auf die Berge sein, weil die Leute ja nicht so international reisen können, wie sie möchten“, befürchtet der Sprecher des Deutschen Alpenvereins. Auf der Suche nach Alternativen liegen die Alpen für viele nahe. Zudem ist die Infrastrukturkapazität bei den Hütten noch begrenzt – ab 30. Mai sind laut Bayerns Staatsregierung unter strengen Hygienevorschriften wieder Übernachtungen möglich.
Seit vergangenem Montag sind die Biergärten an den Hütten wieder geöffnet, ab 25. Mai ist auch der Tagesbetrieb drinnen wieder zugelassen – alles natürlich mit den entsprechenden Abstandsregelungen. „Dadurch wird die Auslastung viel geringer sein als zu normalen Zeiten – das trifft besonders die Übernachtungen“, sagt Bucher. Ansturm auf der einen Seite und Abstands- und Hygieneregeln auf der anderen Seite „sind eine besondere Herausforderung“.
Ganz sicher komme eine Reservierungspflicht für Übernachtungen, kündigt Bucher an. Gruppenübernachtungen bleiben laut Staatsregierung vorerst noch untersagt. Es gebe aber auch Zwei- bis Sechsbettzimmer, sagt Bucher – für eine Familie schon eher eine Option. „Diese Einheiten werden nur mit Hausgemeinschaften belegt.“
Beim Tagesbetrieb auf den Hütten gelte es zu bedenken, dass Wanderer eventuell wegen einer Kapazitätsgrenze nicht versorgt werden können. Ein Getränk auf der Wiese nebenan zu nehmen – das wird nicht möglich sein. „Ich würde auf jeden Fall dazu raten, dass man sich proviantmäßig für eine Tagestour unabhängig von Hütten macht, weil es sein kann, dass man keinen Platz bekommt.“
Von beliebten Ausflugszielen rät Bucher in den Pfingstferien ab. Er empfiehlt, bei der Planung etwas kreativer zu sein und sich Touren etwas abseits zu suchen. Seine Geheimtipps verrät er natürlich nicht. „Nicht die prominenten Berge wählen“, sagt er stattdessen. Zu meiden sind Jochberg, Herzogstand, Brecherspitze, Jägerkamp, Wank oder die Kampenwand. Trotz aller Abstandsregelungen und Beschränkungen ist Bucher davon überzeugt, dass man sich auch in den Bergen aus dem Weg gehen kann. Im Grunde funktioniere es recht gut, die Wanderer warteten schon aufeinander und seien in der Regel rücksichtsvoll. Zwischen Wanderern und Mountainbikern indes gibt es auch zu normalen Zeiten immer wieder Konflikte. In CoronaZeiten zurückhaltend planen, bittet der Alpenverein. „Mountainbiker sollten jetzt nicht gerade auf die Idee kommen, den allerschwierigsten Trail zu fahren, wo sie auf schmalem Weg auch noch Wanderern begegnen. Da ist auf allen Seiten Zurückhaltung geboten.“
CLAUDIA MÖLLERS