Gemischte Gefühle vorm Vatertag

von Redaktion

VON CLAUDIA MÖLLERS UND DOMINIK GÖTTLER

München – Am Vatertag werden die Beamten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wieder einiges zu tun bekommen. Das vergangene Wochenende hat bereits einen Vorgeschmack gegeben. Volle Wanderparkplätze und zugeparkte Zufahrtsstraßen sorgten – fast wie vor Corona-Zeiten – für Ärger im Oberland. „Wir können ja verstehen, dass es die Leute nach draußen zieht“, sagt Carolin Hohensinn vom Polizeipräsidium. „ Aber wenn an der Kampenwand die Wiesen so vollgeparkt sind, dass der Bauer nicht mehr mähen kann, dann müssen wir eingreifen.“ Sie kündigt auch für die kommenden Tage Kontrollen an den einschlägigen Wanderdestinationen an. „Wir wollen niemanden gängeln.“ Dennoch werde bei zugeparkten Rettungswegen der Abschleppdienst gerufen. In Starnberg hat die Polizei vorsorglich Unterstützungskräfte angefordert, um am See laufend Badegelände und Parkplätze zu überwachen. Die Streifen sollen auch nachts unterwegs sein, um Corona-Partys am Ufer zu verhindern.

Abstand halten, Maske tragen – wenn diese Regeln eingehalten werden, ist Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) nicht bange vor den Feiertagen und den bevorstehenden Ferien. Auf dem berühmten Steg am See sind Radlfahrer verboten, weil dann der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Wenn Fußgänger hintereinander gingen, könnten sie gut auf die 1,50 Meter achten, sagt Hagn. Sogar bei Gegenverkehr. „Das geht aber nicht, wenn zwei Leute nebeneinander gehen“, sagt er. Überall im Ort wurden Schilder aufgestellt mit der Mahnung, Abstand zu halten. Am vergangenen Wochenende war seine Gemeinde bereits stark besucht – „wir haben nix gehört, dass es nicht funktioniert hätte“. Pfingsten werde es sicher noch einmal enger, aber auf dem Land verteile es sich auch besser: „Die Menschen sind am See unterwegs oder in den Bergen. Da ist nicht so eine drangvolle Enge wie in München an der Isar.“

Die Bedenken seiner Bürger vor Ausflüglern hält der Tegernseer Bürgermeister für ausgeräumt. In der Corona-Anfangszeit sei es schwieriger gewesen, weil die Infrastruktur nicht aufrechterhalten werden konnte. Inzwischen würden die Mülleimer zweimal am Tag geleert und es gebe mehr zugängliche Toiletten. Allerdings: „Wir können den Besucherstrom nun mal nicht lenken und eine Schranke aufstellen, sodass nur 5000 Menschen zu uns kommen.“

Wer angesichts der CoronaKrise seinen Pfingsturlaub am Tegernsee verleben möchte, hat laut Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH, noch Chancen auf eine Unterkunft. Die Nachfrage nach Ferienwohnungen sei immens, aber auch immer mehr Tagungshotels würden nun ihren Betrieb auf Urlauber umstellen. „Auf keinen Fall sollen die Gäste aber spontan kommen – man sollte vorher gebucht haben.“ Alle gingen mit großem Respekt in diese neue Phase, die nun auch ein großer Testlauf für die Sommerferien ist. „Wir haben weniger Angst vor den Übernachtungsgästen, denn sie lassen sich leichter mit Informationen versorgen. Wir haben mehr Respekt vor den Tagesgästen, die im Pulk kommen.“

Derzeit wird noch ein Konzept für die Liegewiesen am See erarbeitet, überlegt wird auch, was man machen könne, wenn eine Almhütte „überrannt“ wird. So wird geprüft, online vor überfüllten Wanderwegen zu warnen. „Es wird landkreisweit an einem System gearbeitet, mit dem man auf einer Webseite Echtzeitinformationen bekommt, wo derzeit viele Menschen unterwegs sind.“ Bei den Liegewiesen werde es aber wohl Absperrungen geben. Ohne Verbote werde es nicht gehen. „Wir wollen kein neues Ischgl werden.“

Am Chiemsee gibt es 35 Prozent mehr Anfragen nach Urlaubsunterkünften, sagt Christine Pfaffinger von Chiemsee-Alpenland-Tourismus. Zu Pfingsten seien 55 Prozent der Ferienwohnungen belegt. Auf einem guten Weg sieht Bürgermeister Martin Bartlweber (FWG) seine Gemeinde Seeon-Seebruck (Kreis Traunstein). Von Ängsten in der Bevölkerung vor einem Besucheransturm könne man nicht reden. „Wir sind sehr touristisch geprägt, viele profitieren vom Tourismus.“ Zudem sei die Umgebung sehr weitläufig. Sein Wunsch an die Touristen: „Dass sie kommen.“

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