München – In zehn Jahren wird laut Hochrechnungen jeder vierte ältere Mensch in Bayern Migrationshintergrund haben, sagt Yasemin Günay. Das bedeutet für Sterbebegleiter wie sie eine große Herausforderung. Der Münchner Hospizdienst „DaSein“ sucht deshalb gezielt nach Menschen, die in vielen Kulturen zu Hause sind und sich als Sterbebegleiter ausbilden lassen möchten. „Sehr viele Menschen fallen durch eine schwere Erkrankung am Ende ihres Lebens wieder in ihre Muttersprache zurück“, erklärt Günay. Vertrautes wie Essen, Gerüche oder Sprache bekomme dadurch eine viel größere Bedeutung.
Ende 2019 hat „DaSein“ ein Projekt gestartet, um noch mehr Bürger mit Migrationshintergrund für die Ausbildung zum Sterbebegleiter zu gewinnen. Sie sollen fest ins Team der rund 70 Ehrenamtlichen und 30 hauptamtlichen Kräfte aufgenommen werden. Für diese Initiative hat der Hospizverein gestern den bayerischen Integrationspreis verliehen bekommen.
Wegen der Corona-Pandemie gab es in diesem Jahr zwar keine große Feierstunde – dafür aber Video-Botschaften der Landtagspräsidentin Ilse Aigner, des Innenministers Joachim Herrmann und der Integrationsbeauftragten der Staatsregierung, Gudrun Brendel-Fischer (alle CSU).
„Am Ende des Lebens sind wir alle gleich und alle gleichermaßen dankbar für eine einfühlsame Begleitung“, betonte Aigner. Dann sei es besonders viel wert, sich verstanden zu fühlen. Deshalb habe sich die Jury entschieden, den interkulturellen Hospizdienst mit dem ersten Preis auszuzeichnen, der mit 3000 Euro dotiert ist.
Insgesamt waren 132 Bewerbungen zu dem diesjährigen Motto „Ehrenamt öffnet Türen – Engagement verbindet“ eingegangen. Alle Initiativen sind sehr unterschiedlich – gemeinsam haben sie jedoch, dass sie gezielt Migranten ins Ehrenamt einbinden sollen.
Der zweite Preis mit 2000 Euro ging an das Projekt Interkulturelle Erzählstunden aus Landshut. Dort stellen Migranten in Kindertagesstätten ihr Heimatland vor. Mit Spielen, Liedern, Gedichten in der jeweiligen Landessprache, typischen Kleidungsstücken oder Speisen. „Es ist wichtig, Kinder schon früh für andere Kulturen zu sensibilisieren“, sagt Elisabeth-Maria Bauer, die Geschäftsführerin der Freiwilligenagentur. „Das Projekt ist ein Stück gelebte Integration in Bayern“, lobte Innenminister Herrmann.
Der dritte Platz und damit 1000 Euro gingen an das Projekt Minigolf Marktheidenfeld in Unterfranken. Es wurde 2015 von der Jugendpflege der Stadt in Kooperation mit der ehemaligen Caritas-Wohngruppe „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ ins Leben gerufen. Seitdem wird ein Minigolfplatz von jungen Geflüchteten ab 16 Jahren selbstständig betrieben. Sie kümmern sich ehrenamtlich um den Betrieb, die Abrechnung und Buchführung sowie die Pflege der Anlage, verbessern damit ihr Deutsch und sammeln gleichzeitig erste berufliche Erfahrungen.
Ilse Aigner ist überzeugt: „Die Projekte und die Engagierten haben eine Vorbildwirkung und können für viele Inspiration sein.“ Und Gudrun Brendel-Fischer ermutigte alle Initiativen in ihrer Videobotschaft: „Weiter so – auf Ihre kreativen Ideen kommt es auch in Zukunft an!“