Campen nur ohne Zelt

von Redaktion

VON RUDI STALLEIN UND DOMINIK GÖTTLER

München – Das E-Mail-Postfach von Anton Egold platzt derzeit aus allen Nähten. „Es geht zu wia d’Sau“, sagt der Geschäftsführer des Campingplatzes am Bibisee in Königsdorf (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Um die 70 Caravans und Wohnmobile erwartet er am Wochenende, dazu noch die Dauercamper, die mit ihren Autos auf die 86 000-Quadratmeter-Anlage drängen. „Ich bin gespannt, wie wir das hinkriegen“, sagt Egold.

Pünktlich zum Ferienstart am Samstag dürfen auch die Campingplätze in Bayern wieder öffnen. Da die Grenzen noch dicht und Auslandsreisen Corona-bedingt kaum möglich sind, suchen die Urlauber nun die Erholung in der Heimat. Die Campingplatzbetreiber rüsten sich für den großen Ansturm. Doch auch für Camper gelten besondere Regeln. Und die schmecken nicht jedem.

„Das große Ärgernis ist, dass jede Wohneinheit eine eigene Sanitäreinheit dabeihaben muss“, sagt Georg Spätling, Vorsitzender des Landesverbands der Campingwirtschaft in Bayern. „Diesen Satz kann nur jemand formuliert haben, der noch nie beim Campen war.“ Denn diese Hygienevorschrift hat zur Folge, dass die meisten Campingplätze in Bayern derzeit keine Zelte auf ihrem Gelände zulassen. „Aber viele Familien fahren doch gerade mit dem Auto oder dem VW-Bus auf den Campingplatz und lassen ihre Kinder im Beizelt schlafen“, sagt Spätling. „Diese Familien waren jetzt so lange zu Hause eingesperrt. Und mit dieser Regel bleibt das auch so.“ Etwas spöttisch sagt er: „Im Moment ist die Kloschüssel der Schlüssel zum Campingplatz.“ Andere Bundesländer hätten ihre Regel hier deutlich lockerer formuliert. Deshalb fürchtet Spätling, dass viele Camper über Pfingsten lieber außerhalb Bayerns ihren Urlaub verbringen werden.

Unter Strom werden die Campingplatzbetreiber am Samstag dennoch stehen, schätzt Spätling. „Dadurch, dass heuer alles auf den einen Stichtag zuläuft, wird der Andrang groß sein.“ Viele Campingplätze haben eine verpflichtende Reservierung im Vorfeld eingeführt, um die nötigen Unterlagen nicht erst vor Ort ausfüllen zu müssen. Am Campingplatz Walchensee etwa sind schon jetzt alle Reservierungsplätze bis zum 15. September vergeben. „Trotzdem werden viele Leute auch unangemeldet anreisen“, prognostiziert Spätling. „Die große Blase wird uns am Samstag gegen 17 Uhr erwarten.“ Er plädiert deshalb an alle Reisenden, mit Geduld und Verständnis für die Betreiber anzureisen. „Lieber eine Banane mehr für die Fahrt mitnehmen.“

Wie in der Hotellerie mussten auch die Campingplatzbetreiber Hygienekonzepte erstellen. Hans Probst vom Lenggrieser Bergcamping hat etwa einen Parkplan mit sechs Metern Luft zwischen den Stellplätzen erstellt. In den Sanitärräumen wird nach jeder Benutzung gereinigt und desinfiziert. Zwei Putzkräfte sind damit auf der Anlage den ganzen Tag beschäftigt. Dieser Aufwand kostet. Deshalb berechnet er eine Strom-/Wasser- und Hygienepauschale von fünf Euro am Tag.

Ein paar Kilometer weiter –im Oberen Isartal rund um Krün – rechnen die Einheimischen in den Pfingstferien ebenfalls mit einem Ausflügler-Ansturm im Wohnmobil. Allerdings nicht nur auf den offiziellen Camping-Plätzen. Es ist bereits von „Pseudo-Campingplätzen“ die Rede, die auf Parkplätzen entstanden sind. Deswegen hat der Gemeinderat nun die Notbremse gezogen – ab sofort gilt in Krün ein Parkverbot für Wohnmobile auf den Wanderparkplätzen.

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