Diakon-Weihe in Zeiten von Corona

von Redaktion

VON BRITTA SCHULTEJANS

München – „Versprichst Du mir und meinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam?“, fragt Kardinal Reinhard Marx nacheinander die fünf jungen Männer, die einmal Priester werden wollen. „Ich verspreche es“, sagen sie alle. Vorher haben sie auch schon gelobt, der Ehe abzuschwören, sich ihr Leben lang an den Zölibat zu halten – und das, obwohl sie erst zwischen 25 und 34 Jahren alt sind. „Hier bin ich“, sagen sie, als sie sich ihrem Bischof zu Beginn der Zeremonie vorstellen.

Der Erzbischof von München und Freising hat am Samstag im Münchner Liebfrauendom fünf junge Priesteranwärter zu Diakonen geweiht. Es ist eine uralte Zeremonie – inklusive minutenlangen Liegens vor dem Altar. Heuer aber kommen einschneidende Änderungen dazu. Dabei ist noch die kleinste, dass die Weihe in diesem Jahr in München stattfindet und nicht wie traditionell auf dem Freisinger Domberg.

Nur wenige Menschen bekommen Einlass in den Liebfrauendom, alle tragen Masken, auch die Anwärter müssen zur Maske greifen, als sie vor ihren Bischof treten. Die Corona-Reglen für Gottesdienste gelten auch an diesem Tag – zumindest die meisten. „Lange haben wir gezögert, ob das möglich ist“, sagt Marx zu Beginn des Gottesdienstes. Aber die Weihe der fünf jungen Männer sei ein „Zeichen, dass der Weg der Kirche weitergeht – auch unter widrigen Umständen“.

Die Weihe zum Diakon ist die offizielle Erhebung in den Klerikerstand und damit ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Priesteramt. Männer, die sich dazu bereit erklären, sind aber seit Jahren Mangelware. Die Zahl der neu geweihten Diakone in Bayern bewegt sich – wie auch die Zahl der Priesterweihen – auf konstant niedrigem Niveau. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, dass bayernweit heuer mindestens 13 Diakone und 12 Priester geweiht werden. Im Bistum Eichstätt beispielsweise gibt es in diesem Jahr aber keinen neuen Diakon – und damit nächstes Jahr auch keinen neuen Priester. Die Weihe zum Priester folgt in der Regel ein Jahr nach der Diakonweihe. Eine „Absprungquote“ gibt es nach Angabe der Bistümer in der Regel nicht. Wer Diakon wird, gehe fast immer auch den nächsten Schritt.

Für den entscheidenden Moment der Weihe in München verzichtet Marx sogar kurzfristig auf die Corona-Abstandsregeln. Denn die Weihe funktioniert laut Erzbischöflichem Ordinariat nur, wenn der Bischof den Kandidaten die Hand auflegt. „Da die Handauflegung unverzichtbar ist, um die Diakonenweihe gültig zu spenden, erfolgt sie auch in Zeiten der Corona-Krise“, teilt das Erzbistum mit. Vor jeder Handauflegung lässt Marx sich die Hände mit Desinfektionsmittel einsprühen. Eine weitere Corona-Regel wird nicht eingehalten an diesem Tag: Der Gottesdienst dauert 88 Minuten – 28 Minuten länger als in Corona-Zeiten eigentlich erlaubt. Dieses Jahr müsse die Feier für die neuen Diakone zwar kleiner ausfallen, sagt Marx. Aber: „Nächstes Jahr bei der Priesterweihe können wir dann richtig auf die Pauke hauen.“

Artikel 2 von 10