Ruhe auf dem Berg, Stau im Tal

von Redaktion

Garmisch-Partenkirchen/Starnberg/Tegernsee – Als Manuela und Ralf Schumacher den Gipfel des Wanks erreichen, finden sie: freie Bänke. „Super Wetter, super schön“, sagt Ralf Schumacher. Schon um 7 Uhr morgens waren er und seine Frau am Pfingstmontag in München gestartet, um dem Chaos auf der Autobahn zu entgehen und so entspannt den Berg im Südwesten des Estergebirges bei Garmisch-Partenkirchen zu erklimmen. Doch auch wer später kam, fand noch freie Parkplätze und leere Gondeln an der Wankbahn.

Viel Luft nach oben sah auch die Bayerische Zugspitzbahn bei den Besucherzahlen. Nach einem sehr mäßigen Beginn am Samstag trauten sich am Pfingstsonntag immerhin 700 Menschen hinauf; die Kapazität liegt mit den Corona-Einschränkungen bei etwa 2500 Besuchern pro Tag. „Der große Ansturm blieb aus“, hieß es. Auch die Bahnen am Blomberg, dem Brauneck und am Herzogstand starteten entspannt. „Wir sind froh, dass es nach der langen Durststrecke wieder losgeht“, sagte Hannes Zintl, Betriebsleiter der Blombergbahn. Sein Fazit nach dem ersten Betriebstag: „Der brutale Sturm aufs Oberland, den alle vorhergesagt haben, hat nicht stattgefunden.“

Genauso sanft begann die neue Schifffahrtssaison: Am Samstag kamen zum Starnberger See nur wenige Fahrgäste, am Sonntag waren es im Schnitt pro Fahrt etwa 120 Passagiere. Staffelsee-Kapitän Thomas Eckelt fuhr seine erste Runde nur mit zehn Gästen. „Das waren außergewöhnlich wenige. Ich dachte, dass die Leute ausgehungert sind.“ Der Freistaat startet in die Ferien, Schiffe fahren wieder, Bergbahnen haben wieder geöffnet – „und man merkt das gar nicht“, sagt Johannes Klughammer vom Berggasthaus Herzogstand am Samstag.

Doch die Wende kam am Montag, mit den sommerlichen Temperaturen. Montagmittag hieß es: Der Eibseeparkplatz ist überfüllt, die Straße dorthin gesperrt. Auf der Bundesstraße 318 Richtung Tegernsee staute sich der Verkehr. Die Parkplätze rund um die Seen im Landkreis Starnberg seien „gut belegt“, meldete das Landratsamt am Montagnachmittag. Auch die Gemeinde Kochel am See (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) erlebte mit etwas Verspätung einen großen Andrang von Ausflüglern. Der malerische Ort wurde Montagnachmittag geradezu von Menschen geflutet. „Das ist heute richtig heftig“, sagte Bürgermeister Thomas Holz. Er beklagte wieder das rücksichtslose wilde Parken.

Noch enger wurde es weiter westlich: „Das komplette Allgäu ist voll, übervoll, von Füssen bis Lindau“, sagte ein Polizeisprecher. Massenhaft strömten dort die Ausflügler Richtung Berge und Seen. Bei Oberstdorf wurden an einem überfüllten Wanderparkplatz rund 170 Verwarnungsgelder gegen Falschparker ausgesprochen. Auch in Oberbayern gab es ein „reges Verkehrsaufkommen“, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, „doch es war kein Vergleich zu den vergangenen Wochenenden“: Die Parkplätze im Oberland seien „gefüllt, aber nicht überfüllt“ gewesen.

Im Berchtesgadener Land blieb es zunächst auch eher ruhig, doch die Bergwacht musste zweimal ausrücken: Am Samstag hing ein Ehepaar auf der Nordostseite des Hohen Gölls auf rund 2000 Metern wegen Schneefeldern fest; am Sonntag steckte dort ein Alleingeher fest. Alle drei konnten unverletzt gerettet werden. Die Bergwacht in Bad Reichenhall musste ausrücken, weil eine Frau beobachtet hatte, wie am Ristfeuchthorn „etwas mit Beinen“ abgestürzt war. Nach langer Suche fanden die Retter: ein totes Gamskitz.  np/am/pr/ike/lby

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