Tux – Skifahren im Juni? Macht man nicht. Es ist unökologisch und das Gefühl für den Winter verschwunden. Vor vielen Jahren war ich im Juni mal aus Neugier im ewigen Schnee des Stubaier Gletschers, mittags aß ich auf 3200 Meter Höhe einen Apfelstrudel, eine Biene umschwirrte ihn – befremdlich.
Dieses Jahr aber: Ausnahme. Die Skisaison wurde von der Corona-Krise gewaltsam am 15. März beendet, Skifahren war verboten. Dabei hätte die Tirol Snowcard, die populäre Saisonkarte für fast alle Skigebiete im Bundesland, bis 15. Mai gegolten. Vergangene Woche dann die Mails: Der Hintertuxer Gletscher wieder in Betrieb, die Snowcard bis 2. August verlängert, und dann etwas vorgezogen die Öffnung der Grenzen. Nun gut: Also nochmals auf den Berg. Und einen Blick werfen in die nahe Zukunft des Ski-Tourismus.
Nur zweieinviertel Stunden – Rekord – benötigen wir mit dem Auto von Münchens Stadtmitte bis ans Ende des Zillertals, an einem Samstag in den Pfingstferien, sonst ein sicherer Stautag. Die Hotels sind nahezu alle noch geschlossen und kaum deutsche Autos unterwegs. Kennzeichen, die man auf dem Parkplatz der Gletscherbahn antrifft: München, Ingolstadt, Freising, Tölz, Straubing, Ulm, Stuttgart. Die Freaks, die immer Lust auf Ski und Snowboard haben. Der Hintertuxer Gletscher ist die Anlaufstelle schlechthin: Betrieb normal an 365 Tagen im Jahr, im Sommer schmilzt das Angebot halt von 80 auf 20 Kilometer zusammen, es kommen vor allem Rennsportteams. Neben Tux läuft jetzt nur noch ein Lift am Dachsteingletscher, der mit seiner Höhenloipe aber vorrangig die Langlaufkundschaft bedient.
„Sicher am Berg“ – so hat Hintertux sein Konzept überschrieben, mit dem es Skibetrieb in Corona-Zeiten für machbar hält. An den drei Zubringerbahnen, mit denen es in Etappen von 1500 bis auf 3200 Meter geht, sind Desinfektionsstationen eingerichtet worden, Schilder erinnern an die beiden wesentlichen Gebote: „Mit Abstand bist du der Beste!“ Einen Meter Distanz bitte in den Gondeln und im Restaurant, beim Anstehen, überall. Und in den Bahnen (nicht in den Schleppliften) herrscht Mundnasenschutzpflicht. Funktioniert das alles?
Nun, das Skigebiet ist kaum frequentiert, die ersten Rennläufer fahren um kurz nach zehn Uhr schon wieder ins Tal, weil es oben für Stangentraining zu neblig ist. Die Bergbahn-Angestellten, die in den Liftstationen arbeiten, tragen mehrheitlich keine Maske, von den Gästen halten sich geschätzt 30 Prozent daran. Es ist ihnen zu umständlich, mit dem Schutz zu hantieren, man müsste den Helm und die Brille immer abnehmen und wieder aufsetzen. Den Mundschutz dauernd tragen, auch beim Skifahren? Anstrengend dort oben über 3000 Meter, wo die Luft eh dünn ist. Die meisten ziehen den Stehkragen der Anoraks hoch und den Kopf ein, um missbilligenden Blicken des Personals auszuweichen. Weil wenig Skifahrer unterwegs sind, könnte man sich auf die Gondeln des „Gletscherbus“ verteilen. Haut nicht hin, man folgt dem Reflex, noch reinzuhuschen, wo Platz ist. Ein Meter Abstand? Schnell vergessen.
Auf Skiern abfahren kann man bis zum Tuxer Fernerhaus auf 2660 Metern. Das SB-Restaurant hat offen – mit der üblichen Skifahrer-Kulinarik (Schnitzel, Spaghetti, Gulaschsuppe, Mehlspeisen). Wer dort arbeitet, schützt sich mit Face Shield, die Tische werden ständig desinfiziert. Der Gast kann sich Einweghandschuhe nehmen, doch er muss keine Kontaktdaten hinterlassen.
Fazit: In der Wintersaison wird man das alles nicht so locker laufen lassen können. Im Sommer wird das Skifahren noch nicht geprüft. Da ist es viele Nummern kleiner. Unten im Tal geht sogar Après-Ski. Die Bar vom „Hohenhaus Tenne“ hat den Freiluftbereich geöffnet. Es sind zwei Gäste da. GÜNTER KLEIN