Regensburg – Auf den letzten Metern hat im Regensburger Korruptionsprozess die Zeugenaussage eines Polizisten aufhorchen lassen. Zudem begann der angeklagte Ex-Oberbürgermeister Joachim Wolbergs mit seinem letzten Wort. Dabei zeigte er sich einmal mehr kämpferisch – wenngleich ihm, so sagte der 49-Jährige, nach vier Jahren Ermittlungen und Prozessen langsam die Kraft ausgehe. Der mitangeklagte Bauunternehmer hatte zuvor am Dienstag sein letztes Wort gesprochen und heftige Kritik an den Anklägern geübt. Das Urteil vor dem Landgericht ist für 17. Juni geplant.
Am Morgen waren ein Polizeibeamter und der frühere Leiter der Kriminalpolizei als Zeugen geladen. Der Polizist bestätigte ein Zitat aus einem anonymen Brief. Dieser war Wolbergs zugestellt worden. Darin erhebt der Autor unter anderem Vorwürfe gegen den Hauptsachbearbeiter der damaligen Ermittlungsgruppe. Dieser soll dem nun als Zeugen geladenen Beamten in einem Gespräch auf der Toilette sinngemäß über Wolbergs gesagt haben: „Wenn wir mit dem fertig sind, kann er froh sein, wenn er nicht aus dem Fenster springt.“
Der frühere Kripochef sagte, ihm seien derlei Aussagen nicht bekannt. Hätte er davon gehört gehabt, hätte er den Beamten sofort von den Ermittlungen abgezogen. Gegen den Hauptsachbearbeiter waren im Verlauf des Verfahrens wie auch schon im ersten Korruptionsprozess im vergangenen Jahr Vorwürfe laut geworden, er habe einseitig zuungunsten Wolbergs’ ermittelt. lby