München – Jedes Jahr am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Fest Fronleichnam. In prächtigen Prozessionen ziehen die Katholiken durch die Orte, durch die Felder und sogar in Booten aufs Wasser – voran der Priester mit einer Monstranz und der als Leib Christi verehrten Hostie. All das kann in diesem Jahr im Freien nicht stattfinden – Corona bremst die Prozessionen unter freiem Himmel aus.
Zwar können Ausnahmegenehmigungen für abgespeckte Prozessionen mit höchstens 50 Personen beantragt werden. Doch in Seehausen (Kreis Garmisch-Partenkirchen), wo die beeindruckende Prozession auf dem Staffelsee gewöhnlich tausende von Besuchern anzieht, hat man das gleich verworfen. In München wird die Prozession, in der sonst der Erzbischof die Monstranz unter einem Baldachin durch die Stadt trägt, kurzerhand in den Dom verlegt. Nach der um 10 Uhr beginnenden Eucharistiefeier im Liebfrauendom wird Kardinal Marx in einer kleinen Sakramentsprozession – unter Einhaltung des Infektionsschutzkonzeptes – vor die Domportale treten und die Stadt segnen. Daran können maximal die 70 Besucher des Gottesdienstes teilnehmen. Beim Gottesdienst will der Kardinal vor allem Corona-Helfern für ihren Einsatz würdigen. Eingeladen wurden Menschen aus dem Gesundheitswesen, der Nachbarschaftshilfe, der Obdachlosenhilfe, der Bahnhofsmission, Politiker und Mitglieder kirchlicher Gremien. Die Messe wird zugleich im Internet per Stream übertragen.
In Waakirchen und Schaftlach (Kreis Miesbach) hat man sich etwas einfallen lassen: Unter dem Motto „Fronleichnam zum Selbergehen“ können die Gläubigen von Mittwochabend bis Sonntagnachmittag den Prozessionsweg in Schaftlach und Waakirchen allein abschreiten. An den Stationen, an denen sonst die Altäre stehen, sind Schilder mit dem Evangelium und einem Gebet aufgestellt. Außerdem gibt es QR-Codes fürs Smartphone. Wer sie abruft, kann Fronleichnam „interaktiv“ mitfeiern, heißt es.
Neue Wege versucht man auch im Kreis Fürstenfeldbruck: In Germering-Unterpfaffenhofen geht Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster ab 9 Uhr in einem Eucharistischen Segnungsumgang mit der Monstranz durch die Gemeinde, begleitet von einem Lektor und einer Kirchenmusikerin. Alle Gläubigen sollen die gewohnten Stationen festlich schmücken – von den Hauseingängen und Fenstern aus können sie den Segen empfangen.
Fronleichnam bedeutet übersetzt so viel wie „Fest des Leibes und Blutes Christi“. Der Name leitet sich ab aus dem Althochdeutschen. Dabei steht „vron“ für „Herr“ und „licham“ für „Leib“. Mit dem Fest erinnern die Katholiken an eines ihrer Sakramente: die Eucharistie. Nach katholischer Auffassung ist Jesus Christus real in Brot und Wein gegenwärtig. cm/kna