Schlechte Noten für die Digitalisierung an Schulen

von Redaktion

München – Deutschlands Schulen hinken bei der Digitalisierung hinterher. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Studie des Marktforschungsinstituts Kohorten und der Strategieberatung NOAA Partners. 150 Lehrer, darunter auch bayerische Beamte, die Schüler ab der fünften Klasse unterrichten, gaben ihre Einschätzungen ab. Die Befragung war vor den Schulschließungen wegen der Corona-Krise. „Wir werden das Thema aber langfristig beobachten, um zu sehen, ob sich etwas verändert hat“, sagt Kohorten-Geschäftsführerin Ariane Hofstetter.

Bei der Befragung kritisierten rund zwei Drittel der Lehrer, dass die Schüler zu wenig im Umgang mit dem Internet und digitalen Medien unterrichtet würden. Sie beklagten Defizite der Jugendlichen bei den Grundkenntnissen in der digitalen Welt (Note 4,1), bei der Fähigkeit, digitale Informationen zu bewerten (Note 3,7), und beim Thema Datenschutz (Note 3,8).

Umgekehrt nutzen jedoch auch die Lehrer nicht alle technischen Möglichkeiten. Digitaler Unterricht bedeutet laut der Studie für vier von fünf Lehrern vor allem, Anschauungsmaterial wie Videos abzuspielen. Lediglich ein Drittel verwendet digitale Instrumente, um das Erlernte anzuwenden und zu kontrollieren. Tools, bei denen der Schwierigkeitsgrad mit jeder richtig beantworteten Aufgabe steigt, sind häufig noch unbekannt. „Dabei könnten die Schüler damit individuell unterstützt werden“, sagt Hofstetter. Die Ersteller der Studie kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass an vielen Schulen Lehrpläne und Infrastruktur unzureichend seien und die Lehrer besser auf digitalen Unterricht vorbereitet werden müssten.

Das fordert auch Jan-Peter Koopmann, Vater zweier Kinder und Technologievorstand des Unternehmens NFON, das Cloud-basierte Telefontechnik anbietet und an seinem Münchner Sitz rund 350 Mitarbeiter hat. „Die Lehrer müssen an der Hand genommen werden“, sagt er. Bei den Schulen gäbe es große Unterschiede, was die Ausstattung und die Einbindung von Technik in den Unterricht angeht. Auch die Offenheit der Lehrer unterscheide sich. „Wir brauchen ein klares Konzept und ein gesteuertes Vorangehen“, fordert er. Zudem müsse der Lehrplan angepasst werden. Die Schüler müssten sowohl was die Medienkompetenz als auch was die Technik angeht besser geschult werden. „Der Unterricht ist sehr theorielastig, die Praxis fehlt“, kritisiert er. Das habe auch für die Unternehmen Folgen: „In IT-nahen Berufen gibt es große Probleme, Mitarbeiter zu finden, weil keinerlei Grundwissen vorhanden ist“, sagt er.   cla

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