Burglengenfeld – Bei Bauarbeiten hat der Baggerfahrer Peter Zwicknagel eine Höhle in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) entdeckt. Der nach ihm benannte Zwicknagelschacht sei mindestens 76 Meter lang und 14 Meter tief. „Die Höhle ist vermutlich sogar noch viel größer“, sagte ein Sprecher der Stadtwerke am Mittwoch. Experten rechnen damit, dass weitere Räume möglicherweise noch verschüttet sind.
Schon seit Anfang des Jahres werde die Höhle aus der Eiszeit freigelegt, vermessen und untersucht. „Die Höhle ist geologisch sehr, sehr interessant“, erklärte Sabrina Huber, Vorsitzende des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung Bayern, den Stadtwerken. Der Fund von Kryocalciten etwa weise darauf hin, dass die Höhle in einer einst gletscherfreien Zone liegt, aber in der Eiszeit unter Permafrostbedingungen entstanden ist.
Ungewöhnlich sei die Größe der versteinerten Seelilien aus dem früheren Jurameer. Entdeckt haben Huber und der Hydrogeologe Klaus Raum auch tektonische Störungsbahnen, schöne Sinterbildungen, Fossilien und Manganausfällungen. In einem Raum fanden sie bei den Untersuchungen Tropfsteine, hieß es in der Mitteilung.
Wie Sabrina Huber betont, ist das Gestein sehr brüchig und von Rissen und Spalten durchzogen. Die Höhle könne nur mit „ausreichender Kenntnis“ der Gefahren tiefer Schachthöhlen und mit entsprechender Sicherung befahren werden. Es herrsche Absturzgefahr.
Das Gebiet, über dem sich die Höhle erstreckt, liegt teilweise im Schutzgebiet der Burglengenfelder Trinkwasserversorgung. „Natürlich fanden auch wir allein die Tatsache spannend, dass eine derart weit verzweigte Höhle entdeckt worden ist, von der bislang niemand etwas wusste“, sagte Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth. „Aber für uns als Wasserversorger steht die Frage im Vordergrund: Ist der Schutz unseres Trinkwassers sichergestellt?“ Denn aufgrund der geologischen Gegebenheiten in der Region der Oberpfälzer Jura ist das Grundwasser hier besonders gefährdet.
Die Stadtwerke wollen nun im Rahmen eines sogenannten Tracerversuchs herausfinden, ob verunreinigtes Wasser durch das rissige Gestein in das Grundwasser gelangen könnte. Mit gefärbten Wasser lasse sich verfolgen, wohin es in der Höhle rinnt und wie schnell das geht. Es könne wenige Stunden oder auch mehrere Monate dauern, bis sich das Wasser durch verschüttete Gänge seinen Weg bahne. „Man kann über der Erde nicht sehen, was unten los ist“, sagte Hydrogeologe Klaus Raum den Stadtwerken.