Spätstart in die Freibadsaison

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER UND MAGDALENA HÖCHERL

München – Lange war es ruhig im Freisinger Freibad „fresch“ – doch bei sommerlichen 24 Grad lockte es am Freitag zum ersten Mal in diesem Jahr wieder eine größere Zahl von Badegästen ins Becken. Schon am Vormittag waren rund 200 Gäste durch das Drehkreuz am Eingang marschiert. Und im Kinderbecken tummelten sich schon wieder zahlreiche kleine Wasserratten. Der große Ansturm ist vorerst aber ausgeblieben. 620 Badegäste dürfen sich derzeit maximal im Freisinger Freibad aufhalten – macht 20 Quadratmeter Platz pro Badegast auf der Liegewiese. „Da haben wir momentan noch Luft“, sagt Bäderbetriebsleiter Alexander Frederking.

Seit Montag dürfen Bayerns Freibäder wieder öffnen – wenn die Betreiber dafür sorgen, dass die Besucher einige Regeln einhalten, etwa die Maskenpflicht im Eingangsbereich oder bei den Toiletten. Wegen der Abstandsregeln dürfen die meisten Freibäder nur eine bestimmte Zahl an Gästen gleichzeitig aufs Gelände und in die Becken lassen. In den Münchner Bädern wurde dafür ein Online-Reservierungssystem eingeführt. Und in allen Bädern müssen die Gäste wie beim Friseur oder im Restaurant ihre Kontaktdaten hinterlassen.

„Die Bäder müssen nun Erfahrungen sammeln, mit welchen Konzepten sie am besten fahren“, sagt Karl-Heinz Gansler vom Schwimmbad-Fachverband. Er plädiert aber dazu, trotz der schwierigen Umstände so viele Bäder wie möglich zu öffnen – auch weil heuer wohl viele ihren Urlaub in der Heimat verbringen werden. Auch erste Naturbäder öffnen wieder, auch wenn es dort mitunter noch schwieriger ist, ein tragfähiges Hygienekonzept zu erstellen.

Im Freibad Mammendorf (Kreis Fürstenfeldbruck), das seit Montag wieder geöffnet hat, läuft der Start jedenfalls schon ganz gut. Am ersten Tag kamen zwar nur 66 Gäste, was aber am regnerischen Wetter gelegen haben dürfte. Am Freitagmittag waren es wie in Freising schon wieder 200 Besucher. „Dieses langsame Hochfahren ist angesichts der Corona-Umstände ideal, um Erfahrungen zu sammeln“, sagt Günter Sigl, Referatsleiter Sport im Fürstenfeldbrucker Landratsamt. „Da ist man als Freibadbetreiber sogar froh, wenn das Wetter so wie diese Woche zunächst eher schlecht ist.“ In Mammendorf dürfen derzeit maximal 800 Besucher ins Bad, statt über 4000 wie an sonnigen Tagen im vergangenen Juni. Für Ärger habe das bislang aber nicht gesorgt, sagt Sigl. „Die Badegäste sind froh, wieder schwimmen zu können.“ Die Abstände würden eingehalten, die Zettel mit den Kontaktdaten zuverlässig beim Personal am Ausgang abgegeben. Und auch das neu eingeführte „Kreisschwimmen“ in geordneten Bahnen komme gut an. Eine gewisse Unsicherheit bei den Gästen ist aber noch immer vorhanden, was Sigl daran bemerkt, dass bei den Kassenkräften regelmäßig das Telefon klingelt. Er ist aber zuversichtlich, dass der Betrieb auch bei anhaltend sommerlichen Temperaturen gut zu bewältigen sein wird.

Es gibt aber auch Bäder, die weiterhin geschlossen bleiben. Einige tüfteln noch an ihrem Hygienekonzept. Oder es wird noch gebaut, wie in Dachau, wo derzeit die Becken saniert werden. Vor dem 1. Juli wird das Bad nach Angaben der Stadtwerke nicht öffnen können. Das Schongauer „Plantsch“ bleibt wegen vorgezogener Revisionsarbeiten voraussichtlich bis Ende Juli zu.

Finanziell trifft die Bäder der verspätete Start so oder so hart, wie Gansler sagt. „Der Verlust wird schwerwiegend sein.“ Weil der Betrieb eines Freibads ohnehin meist ein Minusgeschäft ist und jetzt für weniger zahlende Gäste trotzdem mehr Personal gebraucht wird. „Das Minus werden häufig die kommunalen Betreiber ausgleichen müssen.“

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