Wem gehört die große Nase?

von Redaktion

Der Rotofen hat im Volksmund verschiedene Namen

An den Rotofen hat der Münchner Namenforscher Wolf-Armin von Reitzenstein eine lebhafte Jugenderinnerung. Als Bub machte er mit seinen Eltern Urlaub auf einem Bauernhof bei Bad Reichenhall – und der junge Reitzenstein wollte wissen, wie der Berg denn heißt. „Montgelasnasn“, sagte ein Bauer. „Das habe ich damals natürlich nicht verstanden, weil ich von diesem Menschen noch nie was gehört hatte“, erzählt Reitzenstein amüsiert.

Der Graf von Montgelas (1759-1838) war in München Minister unter dem Kurfürsten und späteren König von Bayern, Maximilian I. – und hatte einen gewaltigen Zinken, der dem Profil des Bergs in den Berchtesgadener Alpen ziemlich nahe kam. Weil Montgelas als Vertreter der Säkularisierung im Volk nicht sonderlich beliebt war, wurde ihm hämisch die Bergnase angedichtet. Auf Karten finde man die „Montgelasnasn“ nicht, der Name sei nur mündlich überliefert, erklärt Reitzenstein. Offiziell heißt der Berg im Lattengebirge wegen seines rötlichen Gesteins und den höhlenartigen Auswaschungen (Ofen) Rotofen. Weil seine Türme aussehen wie eine liegende Hexe mit Hexenbusen, heißt er auch „Schlafende Hexe“. Ein Berg mit vielen Namen also. „Die Bauern benutzen den Namen Rotofen nicht“, erläutert Reitzenstein, „die sagen Montgelasnasn.“ Der Begriff „Schlafende Hexe“ sei später entstanden, als der Graf so langsam in Vergessenheit geriet.

WOLFGANG HAUSKRECHT

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