Inchenhofen – Die letzten Tage waren anstrengend für Dr. Friedrich Pürner, Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg, und seine Mitarbeiter. Sie arbeiteten rund um die Uhr im Schichtbetrieb – denn der Landkreis hat sich zu Deutschlands Corona-Hotspot entwickelt: Auf einem Spargelhof in Inchenhofen wurden 96 Mitarbeiter zwischen 18 und 58 Jahren positiv auf das Virus getestet.
Gestern haben Pürner, Landrat Klaus Metzger, Inchenhofens Bürgermeister Anton Schoder sowie dessen Stellvertreter Hans Schweizer über die akutelle Lage informiert. Die gute Nachricht: „Kein positiv Getesteter zeigt typische Symptome“, berichtete Pürner. Die ersten Infektionen wurden Ende Mai nach einer Untersuchung zweier Arbeiter entdeckt. Einer fühlte sich nur etwas matt, der andere hatte Atembeschwerden. „Grund dafür war aber nicht Covid-19, sondern eine andere Grunderkrankung“, erklärt Pürner.
Weil aber die Corona-Tests der beiden Männer positiv waren, wurden sofort Kontaktpersonen isoliert. Inzwischen wurden 525 Beschäftigte getestet – und 96 Corona-Fälle, einer davon außerhalb des Landkreises Aichach-Friedberg, ausfindig gemacht. Sie sind derzeit alle symptomfrei. 28 Erntehelfer-Kontaktpersonen stehen unter Quarantäne.
Die Infizierten stammen teilweise aus Polen, größtenteils aber aus Rumänien. Außerdem wurde eine Verwaltungskraft angesteckt. Was auffällig ist: „Knapp die Hälfte der positiv getesteten Personen kommt aus zwei nebeneinanderliegenden Kreisen in Rumänien“, sagte Friedrich Pürner. In der Gegend habe sich das Virus ebenfalls verbreitet. Er kann sich deshalb vorstellen, dass sich die Betroffenen bereits dort angesteckt hatten. „Einige gaben an, vor der Einreise grippeähnliche Symptome gehabt zu haben“, sagt er. Als die Erntehelfer nach Bayern gekommen sind, waren sie wieder gesund. Dennoch mussten alle Arbeiter zwei Wochen in Quarantäne – Auffälligkeiten habe es in dieser Zeit nicht gegeben.
Der Spargelhof musste vorab ein Hygiene-Konzept vorlegen. Demnach waren alle Arbeiter in Containern in Zwei-Bett-Zimmern untergebracht. Die gemeinsamen Waschräume wurden getrennt nach den Zimmerbelegungen genutzt. Auf dem Hof und in den Arbeitsräumen herrschte Maskenpflicht, außerdem waren die Arbeiter bei der Fahrt auf die Felder und beim Essen in kleine, feste Gruppen unterteilt. „Es gab keine Überschneidungen zu anderen Gruppen“, sagt Pürner. Bei einer unangekündigten Kontrolle durch das Gesundheitsamt seien die Regeln eingehalten worden.
Eine sichere Erklärung, warum es auf dem Hof trotzdem so viele Infizierte gibt und wieso diese keine Symptome zeigen, hat Friedrich Pürner nicht. „Wir wissen es nicht“, sagt er. Seine Theorie: „Ich kann mir gut vorstellen, dass noch Virusfragmente im Rachenraum nachweisbar sind, auch wenn die Erkrankung schon eine Zeit zurückliegt und die Person nicht mehr ansteckend ist.“
Durch die Fälle auf dem Spargelhof liegt für den Kreis Aichach-Friedberg die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohnern laut dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bei 56,14 – und damit über der Grenze. Einschränkungen für Inchenhofen und den restlichen Landkreis wird es laut den Behördenvertretern jedoch nicht geben. Die Arbeiter hätten im Supermarkt des Betriebes eingekauft und seien vermutlich nicht mit der Bevölkerung in Kontakt gekommen. Die Kontaktpersonen werden in den nächsten Tagen nochmals getestet.