München/Simbach – Reisen, das geht nun wieder grenzenlos, zumindest innerhalb Europas. Die in der Corona-Pandemie eingeführten Kontrollen der deutschen Grenzen endeten um Mitternacht in der Nacht auf Montag. Nur die lange zuvor eingeführten Kontrollen zur Eindämmung irregulärer Migration an der Grenze zu Österreich bleiben bestehen. Damit dürfen auch Bürger aus Deutschlands Nachbarländern wieder ohne besonderen Grund einreisen.
Eigentlich ein Anlass für eine kleine Feier. Doch ein sogenanntes Grenzöffnungstreffen der Städte Simbach am Inn und Braunau konnte gestern nur mit Hindernissen stattfinden. Dabei freuen sich beide Seiten riesig über das Ende der Grenzsperre, wie Simbachs Zweiter Bürgermeister Bernhard Großwieser (CSU) unserer Zeitung sagt. „Unsere Städte haben massiv gelitten“ – schließlich gebe es vielfältige Beziehungen: Handel, Bekanntschaften, ja auch Verwandtschaftsverhältnisse. Daher hatten sich die Bürgermeister Klaus Schmid (Simbach) und Hannes Waitbacher (Braunau) gestern auf der Innbrücke zu einem Grenzöffnungsfest verabredet. Die Veranstaltung wurde ordnungsgemäß beim Landratsamt Rottal-Inn angemeldet – von der Behörde aber zum Ärger der Simbacher untersagt.
Warum das? Während in München regelmäßig Sonnenhungrige dicht gedrängt die Isar belagern, pocht das Landratsamt in Pfarrkirchen weiterhin auf die wortgetreue Auslegung der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Diese untersagt nach wie vor Zusammenkünfte von mehr als zwei Haushalten. Dementsprechend, so bestätigt ein Pressesprecher des Landratsamtes, wurde das angemeldete Grenzöffnungstreffen als „Ansammlung von Personen aus mehreren Hausständen“ definiert und verboten. „Wir hatten keine andere Wahl“, beteuert der Sprecher, räumt aber angesprochen auf Münchner Großdemos ein, das Verbot klinge „irgendwie blöd“. Für Vize-Bürgermeister Großwieser ist es ein Unding: Nicht zum ersten Mal lege die von Landrat Michael Fahmüller (CSU) geführte Kreisbehörde die Corona-Verordnungen übergenau aus. Veranstaltungen, die im Landratsamt Passau problemlos genehmigt werden, seien in Rottal-Inn nicht möglich.
Immerhin: Das Grenztreffen konnte gestern trotzdem stattfinden. Die Bürgermeister trafen sich auf der österreichischen Seite der Innbrücke und spazierten nicht wie geplant nach Simbach, sondern nach Braunau. DIRK WALTER