„Mit diesem Unwetter hat niemand gerechnet“

von Redaktion

INTERVIEW Bergwacht-Chef Johannes Zollner über die Evakuierung von der Höllentalangerhütte

Ein Unwetter verwüstete am Wochenende die Höllentalklamm bei Grainau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). Bis Freitag bleiben die Klamm und Hupfleitenjoch gesperrt, die Ausweichroute über den Stangensteig sogar noch wesentlich länger. Am Sonntag flogen Rettungskräfte über 60 Personen von der Höllentalangerhütte aus. Musste das wirklich sein? Dazu äußert sich Johannes Zollner, Hauptgeschäftsführer der Bergwacht-Sektion Hochland.

Warum mussten die Wanderer evakuiert werden?

Alle Zugangs- und Abstiegswege waren ausgeschwemmt und zerstört. Es war ein massives Unwetter, das da in der Nacht zum Sonntag über Grainau hereinbrach. Die Bergwacht hat am Sonntag um 6 Uhr die Lage kontrolliert, da war schon klar, dass es kein Durchkommen gibt. Hinzu kam, dass es am Sonntag tagsüber nur ein kurzes Wetterfenster gab, die Leute mit Hubschraubern rauszuholen. Für Montag und die kommenden Tage war absehbar, dass alles wolkenverhangen ist – da wären Hubschrauberflüge nicht möglich.

Hätten die Personen nicht einfach mehrere Tage auf der Hütte ausharren können?

Na ja, 65 Leute in einer Hütte, darunter einige Kinder – da waren alle Beteiligten einhellig der Meinung, dass sie runter vom Berg gehören. Man muss ja auch bedenken: Wenn es oben einen medizinischen Notfall geben würde, wäre eine Rettungsaktion wesentlich schwerer zu bewerkstelligen.

Die Wanderer sind Samstag durch die Klamm hoch und haben auf der Hütte übernachtet. War das schlechte Wetter nicht absehbar?

Samstag war ein Traumtag. Mit der Intensität dieses Unwetters hat kein Mensch gerechnet, das hat sehr, sehr lokal nur im Höllental gewütet. Die Leute sind auch nicht gefragt worden, ob sie rauswollen. Das war eine klare Entscheidung vom Krisenstab des Landratsamtes.

Hat sich jemand geweigert?

Nein. Nur das Hüttenpersonal ist auf eigenen Wunsch oben geblieben. Das ist auch in Ordnung. Die Hütte selbst ist ja nicht gefährdet.

Bleibt die Frage nach den Kosten. Wer zahlt so einen Einsatz?

Nachdem der Katastrophenfall ausgerufen wurde, werden die Kosten über einen Katastrophenfonds abgedeckt.

Das Gespräch führte Dirk Walter

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