München/Sulzemoos – Der 25-Jährige war flott unterwegs – zu flott. Erst überholte er auf der A 8 zwischen Sulzemoos und Dachau/Fürstenfeldbruck rechts, dann zog er wieder auf die Überholspur. Es kam, wie es kommen musste: Von hinten raste ein Mercedes heran, beide Autos kollidierten, zwei Menschen wurden schwer, drei leicht verletzt. Die Polizei sprach anschließend von einer besonders aggressiven Fahrweise des 25-Jährigen.
Für die Verkehrspolizei sind Szenen wie die geschilderte vom 25. Januar diesen Jahres trauriger Alltag. Auf dem Autobahnabschnitt zwischen Sulzemoos und München kracht es besonders häufig. Daher hat das Innenministerium jetzt reagiert: Ab Ende Juni wird es bei Sulzemoos in Fahrtrichtung München auf sechs Kilometern Länge ein Tempolimit von 120 km/h geben. Auch zwischen den Anschlussstellen Neusäß und Friedberg wird – in beiden Fahrtrichtungen – die Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h abgesenkt. Die Tempolimits gelten zwischen 6 und 22 Uhr – nachts kann also weiter schneller gefahren werden.
Herrmann spricht in seiner Presseerklärung von „stark unfallbelasteten Autoabschnitten“. In der Tat: Nach Angaben der Autobahndirektion Südbayern gab es im Bereich Sulzemoos in den drei Jahren von 2016 bis 2018 110 Unfälle mit verletzten Personen und Sachschäden. Eine besondere Gefahrenlage bestehe durch häufige Rückstaus an der Anschlussstelle Dachau/Fürstenfeldbruck mit der Auffahrt zur B 471, am Autobahndreieck München/Eschenried und am Autobahnkreuz München-West.
Zwischen Neusäß und Friedberg kam es zwischen 2016 und 2018 zu 337 Unfällen. Die Tempolimits haben die Autobahndirektion sowie eine Unfallkommission empfohlen, der neben der Polizei auch Vertreter von Straßenbaubehörden angehören. Herrmann erklärte, dass Tempolimits nur angeordnet werden können, wenn „mildere“ Mittel nicht greifen.
Bis Ende Juli sollen Verkehrszeichen aufgestellt werden – ab dann gelten die Tempolimits. Aber wohl nur einige Jahre lang. Laut Innenministerium soll „voraussichtlich ab dem Jahr 2022“ mit dem Bau von Verkehrsbeeinflussungsanlagen begonnen werden, wie sie die Autofahrer zum Beispiel von der Salzburger Autobahn A 8 kennen. „Dann können wir mit flexiblen Tempolimits reagieren, sobald eine erhöhte Unfallgefahr besteht, beispielsweise bei Glätte oder schlechter Sicht“, so Herrmann. Er betont, flexible Regelungen hätten eine höhere Akzeptanz als starre Verbote. dw