München – Am Anfang war Bayern ganz vorne mit dabei: 249 neue Corona-Fälle wurden laut den Zahlen des Robert-Koch-Instituts am Freitag, 13. März, gemeldet – nur Nordrhein-Westfalen mit 418 und Baden-Württemberg mit 314 Fällen hatten an diesem Tag mehr Meldungen. Zu dem Zeitpunkt gab es in Bayern noch keine strengen Corona-Maßnahmen. Erst am folgenden Montag, nach den Kommunalwahlen, wurden die Grenze zu Österreich und die Schulen geschlossen. An diesem Tag rief außerdem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Katastrophenfall aus und kündigte an, das öffentliche Leben herunterzufahren. Am Samstag darauf traten die Ausgangsbeschränkungen in Kraft.
Das Tückische an dem Virus ist die lange Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung. Sie beträgt ein bis 14 Tage, im Mittel sind es fünf bis sechs Tage. Dementsprechend ist auch in Bayern die Zahl der Corona-Fälle zunächst trotz der Maßnahmen weiter gestiegen. In der Statistik fallen zwar zwischendurch Senkungen auf – diese lassen sich jedoch auch darauf zurückführen, dass es an den Wochenenden weniger Meldungen gab.
Den Höhepunkt erreichte Bayern am Mittwoch, 1. April, mit 1988 gemeldeten Fällen. Das war deutschlandweiter Rekord. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen lag die maximale Zahl an Neuinfizierten pro Tag bei 1209 Personen und in Baden-Württemberg bei 1415 Personen. In vielen anderen Bundesländern dagegen waren die höchsten Fallzahlen nur im drei- oder sogar im zweistelligen Bereich. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise war der Höchststand bei 50 Meldungen pro Tag erreicht und in Sachsen-Anhalt bei 78 Meldungen. Nachdem in Bayern der Gipfel überschritten wurde, zeigte sich dort ein relativ kontinuierlicher Rückgang. Am Mittwoch gab es im Freistaat 29 Fälle und damit weit weniger als in NRW, wo das Robert-Koch-Institut 165 Meldungen verzeichnet – noch ohne die mindestens 730 infizierten Tönnies-Mitarbeiter im Kreis Gütersloh.
Diese Fälle ausgenommen meldeten die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut für Mittwoch 347 neue Infektionen. In 156 von 412 Landkreisen gab es in den vergangenen sieben Tagen keine Neuinfektionen. Darunter waren auch einige oberbayerische Regionen: Berchtesgadener Land, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Neuburg-Schrobenhausen, Starnberg und der ehemalige Hotspot Mühldorf am Inn. Auch Erding zählte dazu – doch eine Frau aus Lichtenfels brachte das Virus wieder in den Landkreis, wie gestern bestätigt wurde, und steckte in einem Mehrfamilienhaus mindestens elf Personen an.