Der Majestix von Machtlfing

von Redaktion

MEIN DORF Martin Popp ist Vorsitzender der Dorfgemeinschaft

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Machtlfing ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Andechs (Landkreis Starnberg). Martin Popp, 47, wohnt mit kurzen Unterbrechungen seit seiner Geburt hier – in dem Bauernhof, in dem schon sein Urgroßvater gelebt hat; mittlerweile mit seiner eigenen Familie, seiner Frau und zwei Söhnen.

Herr Popp, Sie arbeiten bei einer Firma für 3D-Drucker als Manager – aber privat sind Sie zugleich sehr traditionell engagiert …

Ja, ich bin Mitglied im Reservistenverein, im Veteranenverein und im Schützenverein. Und ich bin Feuerwehrkommandant und Vorsitzender der Dorfgemeinschaft.

Sie sind Mitglied in praktisch jedem Verein im Dorf – Machtlfing liegt Ihnen sehr am Herzen, oder?

Ja, so kann man es sagen. Machtlfing ist für mich ein ganz besonderer Ort. Man kann das gar nicht so richtig beschreiben, man muss das erlebt haben. Die Menschen und das Drumherum sind einfach was ganz Besonderes.

Was genau ist denn so besonders daran?

Am besten konnte man das spüren bei unserer 1200-Jahr-Feier. Das war für mich ein einschneidendes Erlebnis, zu sehen: Machtlfing hält zusammen. Ich war frischer Vorsitzender und ich hab’ da einen Zusammenhalt erfahren dürfen, den ich so noch nie erlebt hab. Da waren gefühlt 690 Machtlfinger mit dabei, jeder hat dem anderen geholfen – das war eine Gemeinschaft.

Machtlfing hat nur 690 Einwohner, aber ist schon 1200 Jahre alt?

Na, mittlerweile ist es 1212 Jahre alt. In einem Dokument von 808 wurde es das erste Mal erwähnt. Ein „Merigozus“ hat 808 einen Teil von „Mahtolvingin“ dem Kloster Benediktbeuern vermacht.

Haben Sie dann auch eine Kirche im Dorf?

Wir haben sogar zwei Kirchen: Die Johann-Baptist-Kirche am Berg, im sogenannten Oberdorf, und eine kleine Marienkirche im Unterdorf. Da gehen leider nicht so viele Leute rein, aber sie ist wunderschön. Unser Gasthaus haben wir aber nicht mehr, im Frühling wurde es geschlossen, weil die Wirtsleute leider aus Altersgründen aufhören mussten. Das war eine sehr schöne Wirtschaft, da sind wir gerne hingegangen, schon wegen der berühmten „Höfler-Schnitzel“.

Und jetzt gibt’s gar keinen öffentlichen Treffpunkt mehr in Machtlfing?

Natürlich war die Wirtschaft ein schöner Treffpunkt, aber wenn die Corona-Krise vorbei ist, werden wir hoffentlich noch andere Plätze finden. Vielleicht kann man dann im Feuerwehrhaus mehr machen. Mir ist da nicht so bang.

Interview: Nina Praun

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