Der 1738 Meter hohe Grünten ist bergsteigerisch keine allzu große Herausforderung. Und dennoch, sagt der Namenforscher Wolf-Armin von Reitzenstein, sei er ein sehr interessanter Berg. „Weil er das älteste touristische Gipfelziel in den Allgäuer Alpen war.“ Schon der Augsburger Fürstbischof Clemens Wenzeslaus habe sich im Jahr 1773 in einer gepolsterten Sänfte hinauftragen lassen – angeblich von 56 einheimischen Bauern. Wegen seiner markanten Lage am Alpenrand nennt man den Grünten auch „Wächter des Allgäus“.
Zum Namen gibt es zwei Versionen. Welche die richtige ist, sei durchaus umstritten, sagt Reitzenstein. Eine heute geläufige Deutung ist, dass der Name sich von „Grind“ ableitet – was im Dialekt „Glatzkopf“ bedeutet.
Die Geschichte dazu klingt durchaus spannend. Am Grünten wurde ab 1471 bis ins späte 19. Jahrhundert Eisenerz abgebaut. Zum Schmelzen waren Unmengen von Holz nötig – etwa 100 Tonnen pro eine Tonne Eisen. Es wurde also kräftig abgeholzt. Die Folge war ein akuter Holzmangel im ganzen Allgäu, weswegen man den baumfreien Berg „Glatzkopf“ nannte, woraus dann Grünten entstand.
Reitzenstein hält die weniger spektakuläre Ableitung für richtig. Der Name stamme vom schweizerdeutschen Begriff „Grinte“ (Bergrücken). Darauf würden viele alte Dokumente hindeuten. Schon 1350 sei in einer Augsburger Urkunde vom „Grinten“ die Rede, es folgten Erwähnungen als „Grünte“ (1544), „Grint“ (1623), „Grinde“ (1774), „Grinten“ (1790) oder „Grüntenberg“ (1834). Der Wechsel von „i“ zu „ü“, erklärt Reitzenstein, sei eine normale Erscheinung – eine sprachliche Rundung.
Von der Zeit des Erzabbaus ist eine Erlebniswelt übrig geblieben. Wanderer können auf der Grüntenhütte einkehren, am Gipfel stehen ein Gebirgsjägerdenkmal und ein Sendeturm des Bayerischen Rundfunks, der über eine Seilbahn versorgt wird. Am Fuße des Grünten findet sich die beliebte Starzlachklamm.
WOLFGANG HAUSKRECHT