München – Es waren emotionale Szenen, die sich bei den Betriebsversammlungen der von der Schließung bedrohten Münchner Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) abspielten. „Da sind Menschen dabei, die seit 20 oder gar 30 Jahren im Unternehmen sind und jetzt fürchten müssen, ihre Lebensgrundlage zu verlieren“, berichtet Dominik Dotz von der Gewerkschaft Verdi. Solche Lebenskarrieren seien im Handel mittlerweile eher unüblich, bei den großen Warenhäusern sind sie bis heute gelebter Alltag.
„Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden“, sagte der GKK-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Freitag. Am Montag soll der Gläubigerausschuss dem Sanierungsplan zustimmen. Bundesweit sollen 62 Häuser schließen (siehe unten).
Die Gewerkschaft Verdi hofft allerdings, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. „Wir geben die Standorte noch nicht auf“, sagt Dotz. Man wolle das Gespräch mit den Vermietern der Immobilien suchen und mit ihnen um einen günstigeren Mietpreis verhandeln. Dabei soll auch die Politik helfen – „ein Hochkaräter aus dem Stadtrat“ könnte sich einschalten.
Auf einen Erfolg solcher Gespräche hofft auch Wolfgang Fischer von City Partner, der Vereinigung der Innenstadt-Händler. „Die Nachricht hat uns sehr getroffen, insbesondere die Galeria-Filiale am Stachus ist ein absolutes Traditionshaus.“ Er hoffe auf die Gespräche mit dem Vermieter und bange mit den betroffenen Mitarbeitern, dass sich doch noch eine Lösung finde.
Insbesondere der Standort am Stachus ist kompliziert. Weil die von der Schließung bedrohte Galeria-Filiale quasi Tür an Tür mit dem Karstadt am Hauptbahnhof liegt, galt eine Schließung für Insider als wahrscheinlich. Ein Problem: „Die Sortimente beider Häuser waren zuletzt identisch, da hätte man stärker unterscheiden müssen“, findet Dotz und fragt: „Warum hätten Kunden in beide Läden gehen sollen?“
Andererseits dürfte die Schließung des Kaufhofs den Vermieter der Immobilie in Zugzwang bringen – schließlich verkleinern auch andere Einzelhändler ihre Innenstadtstandorte. Ein Einzelmieter für solch große Flächen an diesem Standort dürfte nicht leicht zu finden sein. Zumal in diesen Zeiten, in denen der Handel unter den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ächzt. „Die Nachfrage nach Mietimmobilien für Handelsflächen ist deutlich zurückgegangen“, berichtet City-Partner-Sprecher Fischer.
Im Olympia-Einkaufszentrum fanden sich bislang ebenfalls je eine Galeria- und eine Karstadt-Filiale – letztere muss nun weichen. Die frühere Kaufhof-Filiale war in dem Einkaufszentrum das dominierende Haus gewesen. Und während der Karstadt am Nordbad schließen muss, bleiben die Häuser am Rotkreuzplatz (Neuhausen) und an der Münchner Freiheit (Schwabing) erhalten.
Verdi-Mann Dotz hofft jetzt darauf, dass möglichst viele der 350 von der Schließung betroffenen Mitarbeiter in den verbliebenen Münchner Häusern des Konzerns unterkommen können. „Insbesondere am Marienplatz und am Hauptbahnhof war die Fluktuation zuletzt groß“, weiß Dotz. Bei einem Wechsel könnten Mitarbeiter der betroffenen Häuser zum Zuge kommen.
Sie fallen zunächst nicht ins Bodenlose. „Für mindestens sechs Monate werden sie in einer Transfergesellschaft aufgefangen und verdienen dort an die 90 Prozent ihres bisherigen Gehalts“, erklärt Dotz das weitere Vorgehen.
Den Innenstadtstandorten könnte weiteres Ungemach drohen – denn die Zukunft der Karstadt-Sports-Häuser ist noch immer ungewiss. Hier gelten mehr als zwei Drittel der bundesweit rund 30 Filialen als gefährdet. Mit dem Karstadt Sports am Karlstor und dem Sport Scheck im Pschorrhaus befinden sich gleich zwei Häuser des Konzerns in der Münchner Fußgängerzone.