MASSGESCHNEIDERT

von Redaktion

Heit ess’ ma amoi was Gsunds, verkündet die Hausfrau, und ihr Mampfer weiß nicht so recht: Soll er sich nun freuen oder eher gruseln? Was ist überhaupt „was Gsunds“? Fünfmal am Tag, ist schon wiederholt in der Zeitung gestanden, soll man Gemüse, Obst und Salat essen, um vielerlei Wehwehchen aus dem Weg zu gehen. Und die Metzger, Bäcker, Landwirte und Ärzte, sollen wir die verhungern lassen? Fünfmal am Tag, wie soll man denn das schaffen? Das bedeutet ja, dass es zur Brotzeit anstatt Leberkäs bloß noch fünf Datteln und anstatt Nachmittagskaffee mit Nusshörnchen nur eine viertelte Wassermelone gibt!

Und wie steht es mit dem abgasgedüngten Obst, Gemüse und Getreide, das unmittelbar neben Autobahnen und Schnellstraßen wächst? In Österreich darf es das nicht, haben wir in der Zeitung gelesen, bei uns und allen anderen Ländern schon. Eine Kennzeichnungspflicht „neben der Autobahn gereift“ ist derzeit in Brüssel nicht geplant. In der Zeitung ist Derartiges auch noch nie gestanden.

Fisch, besonders aus dem Meer, sollte man sich, neben frischen Viktualien, aber schon regelmäßig gönnen. Das liest man sogar in bunten Illustrierten, speziell auf Sonderseiten wie „Gesund und besser essen“ oder „Fit durch Ernährung“. Besonders wir Bayern würden unter Jodmangel leiden, und den könnten wir durch Lachs, Hering und Genossen ausgleichen. Was uns diese Blätter vorhalten, ist nichts anderes als unser Kropf, zumindest unsere Neigung dazu. Und deshalb sollen wir auch, steht in der Zeitung, jodiertes Salz aufs Butterbrot streuen. Obwohl andererseits vor zu viel Fett nicht oft genug gewarnt werden müsse. Überhaupt sollten wir uns an der südländischen Küche, insbesondere der kretischen, ein Beispiel nehmen! Olivenöl anstatt Butterschmalz, merkt euch das, ihr Großmütter! Wie habt ihr doch mit eurem gelben Eidotterwahn unsern Cholesterinspiegel hochgetrieben, mit euren Mehlschwitzen die leckersten Gemüse verpampt, bis uns endlich die Italiener eines Besseren belehrt haben. Dank mediterraner Kochrezepte, die regelmäßig in besseren Zeitungen und Zeitschriften zelebriert werden, hat vor allem die jüngere Koch-Generation dazugelernt, sofern sie nicht aus purer Bequemlichkeit Fastfood-Tiefkühlgerichte in die Röhre schiebt. Was bereits zu immer mehr Dickwänsten zumindest in den Vereinigten Staaten geführt hat, wie jüngst in der Zeitung zu lesen war.

Kehren wir an den heimischen Herd zurück, wo uns was wirklich Gsunds erwartete. Es gab zuerst ein Tomatensüppchen, dann schön gewürfeltes Kohlrabigemüse mit Petersil und Basilikum und dazu Kartoffelpüree. Und keine Weiße im Ring oder Fleischpflanzl? Eben nicht, der Gesundheit zuliebe. Sie weiß eben, was sie gelesen hat, unsere Hausfrau. Und was sagte ihr Feinschmecker danach? „Ein leichtes, gutes Gefühl hab ich schon, aber irgendwie geht mir was ab!“ Ihre Antwort: „Weil du eben ein Gewohnheitstier bist, ein Fleisch fressendes. Ich werd dir künftig alle diesbezüglichen Artikel in der Zeitung rot anstreichen, besonders jene, die fünfmal am Tag Obst, Gemüse und Salat empfehlen. Worauf ein gerülpstes „Des braucht’s wirkle net“ das Gespräch beendete.

An dieser Stelle schreibt unser Turmschreiber

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