München – Es war ein rabenschwarzer Tag für Galeria Karstadt Kaufhof und seine Beschäftigten: Deutschlands letzter großer Warenhauskonzernhat am Freitag die Schließung von 62 seiner 172 Warenhäuser angekündigt. Insgesamt 5317 Mitarbeiter werden dadurch nach Angaben des Gesamtbetriebsrates ihre Anstellung verlieren – und viele Innenstädte einen ihrer bislang wichtigsten Anziehungspunkte.
„Die großen Warenhäuser haben immer noch eine Magnetfunktion“, erklärt Wolfgang Fischer von City Partner. Hier sei München trotz dreier Schließungen (siehe oben) in einer vergleichsweise komfortablen Position. In Ingolstadt oder Nürnberg hingegen falle bei der Schließung der Warenhäuser ein solcher Magnet weg.
Insgesamt will der angeschlagene Warenhauskonzern Filialen in 47 Städten schließen. Allein in Berlin sollen sechs der elf vorhandenen Kaufhäuser dichtgemacht werden, in Hamburg vier, in Dortmund, Düsseldorf, Essen und Nürnberg je zwei Geschäfte. Doch trifft es auch kleinere Kommunen wie Goslar, Lübeck und Worms.
Die Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof bezeichnete die Maßnahmen als unvermeidlich. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar bis zu 80 Geschäfte dichtmachen wollen.
Galeria Karstadt Kaufhof war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Galeria Karstadt Kaufhof rechnet durch die Pandemie und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.
Die Gewerkschaft Verdi hofft jedoch nach wie vor, die Zahl der Schließungen noch weiter senken zu können. Zudem hoffen die Arbeitnehmervertreter auf Impulse aus der Beteiligung der Beschäftigten an der Zukunftsgestaltung des Unternehmens. „Die besten Unternehmensberater sitzen oft an der Basis“, meint Verdi-Mann Dominik Dotz. „Sie kennen die Stammkunden und das Marktumfeld.“ MARC KNIEPKAMP