Müll auf den Feldern: Kühe verenden

von Redaktion

VON MARKUS CHRISTANDL

Schwarzach – Die trächtige Milchkuh Fillipa starb einen elendigen Tod, mit einem Kälbchen in sich. Die Mutterkuh war von innen aufgeschlitzt worden. Das ergab eine Obduktion, die als Todesursache einen im Körper wandernden Fremdkörper ausmachte: rasiermesserscharfe Überbleibsel einer Getränkedose. Irina Primbs, die sich auf ihrem Hof in Schwarzach (Kreis Straubing-Bogen) mit der Familie um 230 Tiere kümmert, ist auch Tage danach aufgewühlt. „Wir sind zornig, grantig, frustiert, traurig, hilflos!“ Die achtlos weggeworfene Getränkedose war zerkleinert ins Futter gelangt, Teile davon fand später Landwirt Gerhard Primbs im Stroh, das dem Futter beigemischt worden war, zusammen mit einem weiteren Überbleibsel einer anderen Dose.

Zwar durchsucht die Familie beim Mähen und Ernten das Material auf magnetische Teile, und Häcksler und Mähdrescher schalten sich mit einem Sicherheitsschalter ab, wenn sie Stahl erwischen. „Doch Getränkedosen aus Aluminium sind nicht magnetisch“, sagt Irina Primbs, beim Zerkleinern können demnach die Bruchstücke ins Futter gelangen.

Die Familie hat ihre Bestürzung über den Tod von Fillipa auf Facebook gepostet. Und am Tag, als das Tier einging, zeigte auch eine weitere Kuh Symptome, fraß plötzlich nicht mehr, gab keine Milch. „Die Kühe gehen einfach elendig zugrunde. Meistens an einer Bauchfellentzündung“, sagt Irina Primbs. „Oder die scharfen Splitter durchtrennen Adern, oder wandern in die Lunge.“ Die zweite Kuh – Ginny – die seit Tagen immer mehr abmagerte und apathisch war, musste gestern eingeschläfert werden. Auch eine dritte Kuh, sie heißt Rudini, wirkt krank, seit Tagen gibt auch sie keine Milch mehr. Die Familie leidet in Gedanken mit: Irina Primbs sagt: „Es nimmt uns emotional sehr mit.“

Wenigstens sind dem Bayerischen Bauernverband derzeit keine weiteren ähnlich gelagerten Fälle bekannt. „Doch dieser tragische Fall zeigt uns, dass hier schon kleine Gegenstände wie Metallsplitter große Verletzungen hervorrufen können“, berichtet Bauernverband-Sprecher Markus Drexler. Der Bauernverband appelliert deshalb eindringlich an alle Wanderer oder Hundebesitzer, Fußgänger und Freizeitsportler, ihren Müll, Unrat und Hundekot zu entsorgen und nichts auf den landwirtschaftlichen Flächen zurückzulassen.

Im Fall in Schwarzach dürfte die Dose aus einem Auto geworfen worden sein, eine Straße führt direkt an den Feldern vorbei. Solches Verhalten ist mindestens eine Ordnungswidrigkeit – wenn ein Tier deswegen ums Leben kommt, sogar eine mögliche Straftat.

Auf eine Anzeige verzichtete die Bauersfamilie dennoch. „Die Chance ist gleich null, dass da jemand gefunden wird. Das könnte ja jeder gewesen sein“, sagt Irina Primbs.

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