Endspurt auf dem Erdbeerfeld

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER

München – Im Lockdown lockt das Erdbeerfeld. Diese Erfahrung hat Johann Lang gemacht, der von Hohenlinden bis Gmund eine ganze Reihe von Erdbeerfeldern südöstlich von München bewirtschaftet. „Man hat schon gemerkt, dass die Leute nicht in den Urlaub gefahren sind. Da war auf unseren Feldern deutlich mehr los.“ Als nach und nach die Ausgangsbeschränkungen wieder gelockert wurden, nahm der Andrang etwas ab. Und dann kam der Regen. „Das war ein Dilemma für uns. Die Erdbeeren waren vollreif, aber unsere Parkplätze auf den Wiesen nicht befahrbar.“

Doch mittlerweile tragen auch die späteren Sorten auf den Feldern Früchte. „Jetzt ist die Zeit, um durchzustarten“, sagt Lang. Er rät: Nicht zu lange warten. Es sei ein Irrglaube, dass die Erdbeeren ein paar Tage pralle Sonne brauchen, um richtig aromatisch zu schmecken. Im Gegenteil, nach dem Regen schmecken sie am besten, sagt er. Wie gut die Ernte am Ende ausfällt, da wagt er allerdings noch keine Prognose. „Auf dem Erdbeerfeld ist es wie auf dem Fußballplatz.“ Das Ergebnis zählt erst mit dem Schlusspfiff. Und bis dahin dauert es je nach Witterung noch zwei bis drei Wochen.

Den Schlusspfiff haben die bayerischen Spargelbauern schon hinter sich. Mit dem Johannistag am Dienstag endete eine turbulente Saison. Am Ende sind die Spargelbauern mit einem blauen Auge davongekommen. „Wir hatten eine gute bis sehr gute Ernte und stabile Preise“, sagt Peter Strobl vom Spargelerzeugerverband Südbayern. „Das war nach dem Chaos am Anfang nicht zu erwarten.“ Diesmal lag es nicht am Wetter, sondern an den geschlossenen Grenzen. Nachdem zunächst keine Erntehelfer einreisen konnten, erfuhren viele Spargelbauern eine Welle der Solidarität mit vielen Freiwilligen vom Studenten bis zum Barkeeper. „Für diese Hilfsbereitschaft möchte ich mich im Namen aller herzlich bedanken“, sagt Strobl.

Allerdings habe sich auch gezeigt, dass die harte Arbeit auf dem Spargelfeld nicht jedermanns Sache ist. Umso erleichterter waren die Spargelbauern, als per Sonderregelung schließlich doch osteuropäische Saisonarbeiter nach Deutschland kommen durften. Zwar blickte die Bevölkerung in Zeiten der Pandemie durchaus skeptisch auf diese Ausnahme, zumal im Landkreis Aichach-Friedberg dann auch noch Corona-Infektionen auf einem großen Spargelhof auftraten – der Kauffreude tat diese Skepsis aber keinen Abbruch. „Die Leute haben überraschend viel Spargel gekauft und den verlorenen Absatz in der Gastronomie nahezu kompensiert“, sagt Strobl.

Während sich der Spargel nun fürs nächste Jahr regenerieren darf, geht es auf den meisten anderen Feldern jetzt erst richtig los. „Als Erstes steht die Wintergerste auf dem Programm“, sagt Anton Huber vom Bayerischen Bauernverband. Insgesamt rechnet er bei der Getreideernte heuer mit einem leicht unterdurchschnittlichen Ertrag – eine Einschätzung, die auch der deutsche Bauernverband für die gesamte Bundesrepublik teilt. „Das Problem war das kalte Frühjahr ohne Regen.“ Und selbst wenn mal ein paar Tropfen vom Himmel kamen, dann hat sie der kalte Wind häufig wieder davongetragen. „Die Böden waren völlig ausgetrocknet“, sagt Huber. „In Franken sind ganze Gerstenfelder einfach erfroren.“ Erst die starken Regenfälle der vergangenen Wochen brachten ein wenig Erleichterung. Selbst das traditionell regenreichere Oberbayern hat mancherorts zu kämpfen. „In der Münchner Schotterebene läuft das Wasser schnell weg“, sagt Huber. Deshalb falle die erste Bilanz auf den Feldern in der Region sehr unterschiedlich aus.

Insgesamt sei aber zu beobachten, dass immer mehr Landwirte mit Kulturen experimentierten, die der Trockenheit trotzen. „Soja, Quinoa, Hanf – da wird viel versucht“, beobachtet Huber. „Aber es muss natürlich auch ein Markt dafür da sein.“

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