Bernried – Markus del Fabbro hat seinen Urgroßvater nie kennengelernt. Aber er hat der Familie doch einige Andenken hinterlassen, die wie Puzzlestücke zu seinem Leben sind. All die Dokumente, Zeichnungen und Schriftstücke befanden sich in der alten Villa in Bernried am Starnberger See, die lange in Familienbesitz war. „Bevor sie verkauft wurde, konnte ich einige der alten Schriftstücke retten“, erzählt del Fabbro. Deshalb kann er den Lebensweg seines Urgroßvaters zumindest in Teilen rekonstruieren.
„Er kam in den 1870er-Jahren aus dem kleinen Ort Collato im Friaul nach Bernried“, erzählt er. Dort sollte eine Eisenbahnlinie entstehen. „Und die brauchte er, um seinen Plan, ein Baugeschäft zu gründen, umsetzen zu können.“ Es sind vor allem drei Zeugnisse aus der Vergangenheit seiner Familie, die Markus del Fabbro heute in seinem Büro aufbewahrt. Ein Briefumschlag: „Mein Urgroßvater Domini del Fabbro hatte den Brief 1916 als Feldpost an seinen Sohn Hans geschickt, der im Ersten Weltkrieg diente“, erzählt er. Außerdem gibt es eine Zeichnung, die sein Großvater 1917 im Schützengraben angefertigt hatte. Und, vielleicht am spannendsten: eine alte Rechnung aus dem Jahr 1895. Sie war an den in Ambach lebenden Hotelier Michael Bierbichler gerichtet. „Auf der Rechnung wird Zement aufgelistet und der Tagesdienst der Arbeiter.“ Sie fuhren damals mit dem Kahn los in die Arbeit nach Ambach, erklärt Markus del Fabbro. Die Rechnung ist ein Beleg dafür, dass es seinem Urgroßvater gelungen war, sich den Traum von seinem Baugeschäft zu verwirklichen.
Noch kurz vor seinem Tod baute Domini del Fabbro im Garten seines Hauses eine kleine Kapelle. Er betete dafür, dass sein Sohn gesund aus dem Krieg zurückkehren würde. Dass seine Gebete erhört wurden, hat er nicht mehr erlebt. Und vermutlich hat er sich auch nicht vorstellen können, dass sein Urenkel eines Tages die alten Dokumente aus seinem Leben finden und aufbewahren würde. kwo