Der verlässliche Wetterprophet

von Redaktion

VON CLAUDIA SCHURI UND CHRISTOPH ARENS

München – „Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.“ Oder: „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.“ Treffen die alten Bauernregeln zu, dann zeigt sich am heutigen Samstag, wie das Wetter in den nächsten sieben Wochen wird: Denn am 27. Juni ist Siebenschläfertag. Eigentlich würde der Tag auf den 7. Juli fallen, aber wegen der gregorianischen Kalenderreform im Jahr 1582 verschob sich das Datum um circa zehn Tage.

Aber ist es wahr, dass der Tag das Wetter in den folgenden sieben Wochen bestimmt? Der Siebenschläfertag gilt als meteorologische Singularität. Darunter versteht man, dass bestimmte Wetterlagen zu manchen Zeiten gehäuft auftreten. „Auch die Eisheiligen, die Schafskälte oder der Altweibersommer zum Beispiel sind Singularitäten“, erklärt Gerhard Müller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD).

Zuverlässige Wettervorhersagen über eine längere Zeit anhand eines einzigen Tages zu treffen, sei schwierig. „Man sollte einen größeren Zeitraum betrachten“, sagt Müller. Dann sei eine Tendenz erkennbar: „In dieser Zeit im Jahr ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Wetterlage länger beständig ist“, erklärt er. „Aber es muss natürlich nicht zutreffen.“

Tatsächlich zeigen meteorologische Statistiken, dass die Volksweisheit gar nicht mal so selten stimmt. Ist das Wetter am Siebenschläfertag schön, liegt die Trefferquote zwischen 55 und 60 Prozent, ist das Wetter unbeständig, sogar zwischen 62 und 70 Prozent. Laut den Auswertungen des DWD trifft die Regel im Alpenvorland häufiger zu als in Norddeutschland.

Doch woher kommt der Siebenschläfertag? Mit den putzigen Nagetieren, die bis zu sieben Monate im Jahr schlafen, hat er nichts zu tun. Er geht auf die im Mittelalter hoch verehrten „Sibenslaffer“ zurück. Der Legende zufolge flüchteten sieben getaufte Brüder aus Ephesus zu Zeiten des römischen Kaisers Decius (249 bis 251) vor der Christenverfolgung in Kleinasien in eine Höhle. Sie wurden verraten und lebendig eingemauert. Doch statt des Todes erwartete sie ein langer Schlaf, aus dem sie knapp 200 Jahre später putzmunter wieder aufwachten. Heute sind die Heiligen eine echte Rarität – in ganz Westeuropa gibt es nur drei Kirchen, die auf sie geweiht sind. Zwei davon stehen in Bayern: die Wallfahrtskirche in Rotthof bei Passau und eine kleine Siebenschläferkapelle in Stegaurach südwestlich von Bamberg. Offiziell gibt es nicht einmal mehr ihren Gedenktag: 1969 strich ihn die Kirche aus dem Heiligenkalender. Im Volksmund dagegen ist der Siebenschläfertag noch immer präsent.

Und wie wird das Wetter nun diesen Sommer? „Am Samstag bleibt es warm, aber ab Nachmittag steigt in Südbayern und in Alpennähe die Gewittergefahr“, erklärt Gerhard Müller. Es wird sonnig, am Himmel werden aber auch einige Quellwolken zu sehen sein. In der Nacht auf Montag komme eine Kaltfront nach Bayern. „Danach gibt es wieder sommerliches Wetter“, kündigt Müller an.

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