München – Klar, die Schulpflicht gilt bis zum letzten Schultag. Das ist in diesem Jahr Freitag, der 24. Juli. Doch wegen der Corona-Pandemie könnte es sein, dass der ein oder andere diesmal schon vor dem Zeugnistag in die Ferien startet. Schließlich läuft der Schulunterricht an den 6000 staatlichen und kommunalen Schulen in diesem Jahr zumeist im Schichtbetrieb ab. Das heißt, eine Hälfte der Schülerschaft wird in der letzten Schulwoche „Lernen zu Hause“ haben – also am Computer. Die Lernplattform Mebis indes lässt sich notfalls auch von der Ferienwohnung aus starten.
Freilich ist dies höchst unerwünscht: „Auch während der Zeit des Lernens zu Hause besteht Schulpflicht“, betont die Schulamtsdirektorin im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, Petra Burkhardt. Aber sie lässt offen, wie das kontrolliert werden kann.
Schulleiter reden erst gar nicht lange um den heißen Brei herum. „Wenn jemand am Zeugnistag nicht kommt, dann kann er sich das Zeugnis im September holen“, sagt Walter Baier, Direktor des Gymnasiums Bruckmühl (Kreis Rosenheim). „Wir werden nicht nachforschen, wo jemand am letzten Schultag ist.“
Klar ist, dass vorzeitiges Verreisen unerwünscht ist. „Eine Urlaubsreise in der letzten Schulwoche kommt nicht infrage“, stellt das bayerische Kultusministerium fest. „Das Schuljahr endet für die Schülerinnen und Schüler am 24. Juli 2020.“ Und weiter: „Die Schülerinnen und Schüler, die in der letzten Schulwoche nicht im Präsenzunterricht in der Schule anwesend sind, haben Aufgaben im Rahmen des ,Lernens zu Hause’ zu erledigen.“ Eine Handhabe gegen vorzeitige Urlaubsreisen hat das Ministerium jedoch nicht. Es stellt lediglich fest, dass das Jahreszeugnis am letzten Schultag verteilt wird, „ein postalischer Versand“ sei „nicht vorgesehen“.
Ohnehin dürfte das Zeugnis in diesem Jahr eine mäßig spannende Angelegenheit werden. „Es fällt ja in diesem Jahr auch niemand durch“, sagt Schulleiter Baier – statt Sitzenbleiben ist „Vorrücken auf Probe“ angeordnet (wir berichteten). Die Corona-Krise soll in dem Zeugnis übrigens nicht erwähnt werden, ebenso wenig, dass die Noten – mangels Leistungsnachweisen im zweiten Halbjahr – hochgerechnet werden.
Knifflig ist so nur, wie die Zeugnisvergabe erfolgt – denn am Zeugnistag kommen ja dann nicht nur eine Hälfte, sondern alle Schüler ins Schulhaus, Baier löst das Problem mit einem Zwei-Schichten-Modell. Die eine Hälfte kommt um 8 Uhr, die andere erst um 10 Uhr.