Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Susanne Merk, 52, wohnt in Gaißach (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), hat sechs erwachsene Kinder, versorgt mit ihrem Mann eine Landwirtschaft und ist Gemeinderätin und Kreisrätin.
Wohnen Sie schon seit Ihrer Geburt in Gaißach?
Nein. Ich habe 1986 von Lenggries nach Gaißach obigheirad. Geografisch gesehen, denn Lenggries liegt höher, also fährt man von Lenggries nach Gaißach „obi“. „Obigheirad“ ist tatsächlich ein gängiger Begriff bei uns.
Aber jetzt fühlen Sie sich unten in Gaißach genauso wohl wie vorher oben in Lenggries?
Ich würde sagen, ich habe von einem schönen Dorf in ein noch schöneres geheiratet.
Was ist schön an Gaißach?
Davon abgesehen, dass wir das große Glück haben, dass wir genau an diesem Platz wohnen dürfen, sind es vor allem die Menschen, die den Ort prägen. Die Bevölkerung hier besteht größtenteils aus Handwerkern und Bauern und es gibt sehr viele junge Familien. Man lebt hier noch echte Tradition, etwa an Fronleichnam oder an Michaeli, unserem Kirchenpatrozinium.
Da wird groß gefeiert?
Ja, das wird alles groß gefeiert. Wie auch die 1200-Jahr-Feier 2017. Da hat man einfach die Liebe zum Heimatort gespürt. Das ist es, was uns Gaißacher ausmacht: Die Menschen wohnen gerne hier – und jeder ist bereit, etwas zu geben.
Gaißach liegt ja auch recht schön.
Ja, Gaißach schließt die gesamte Lücke zwischen Lenggries und Bad Tölz. Wir haben ganze 23 Ortsteile.
Und einige Berge. Welcher ist denn ihr Lieblingsberg?
Hm, ich glaube, dass sich die Gaißacher da mit Tipps lieber zurücknehmen. Corona-bedingt sind das zurzeit sehr begehrte Ziele. Das kann ich zwar verstehen, aber die Bauern sind wetterabhängig und suchen es sich nicht aus, dass sie am Sonntag Heu einbringen müssen. Und dann fahren Sie mal mit der Ballenpresse los, wenn links und rechts die Autos in den Feldwegen geparkt sind. Da würde ich mir etwas mehr Vernunft und Weitblick wünschen.
Nutzen Sie denn die Berge selber überhaupt noch?
Die Leute hier nutzen schon ihre Umgebung. Aber wir wissen natürlich, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit wir nicht gehen brauchen. Da geht jemand lieber in der Früh um fünf Uhr los, als dass er mit allen anderen gleichzeitig auf dem Berg steht.
Interview: Nina Praun