Abbruch des Kernkraftwerks dauert noch 15 Jahre

von Redaktion

Grafenrheinfeld – Von außen sieht das Kernkraftwerk aus, als hätte sich nichts verändert: Die zwei 143 Meter hohen Kühltürme ragen noch immer über die grüne Landschaft im unterfränkischen Grafenrheinfeld (Landkreis Schweinfurt). Doch im Inneren wird das einstige Kernkraftwerk, das vor fünf Jahren stillgelegt wurde, Stück für Stück abgetragen.

Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld galt bis dato als ältester aktiver Reaktor und wurde mehrmals als das leistungsstärkste Kernkraftwerk weltweit betitelt. 33 Jahre war es bis zur Stilllegung am 27. Juni 2015 um 23.59 Uhr in Betrieb. „Von außen nicht sichtbar, wird sich das Reaktorgebäude Schritt für Schritt in eine – im wahrsten Sinne des Wortes entkernte – Gebäudehülle verwandeln“, sagt Kraftwerksleiter Bernd Kaiser vom Betreiber PreussenElektra (früher Eon). Mehr als 750 Tonnen Abbruchmaterial wurden seit April 2018 zurückgebaut. Was viel klingt, ist tatsächlich nur etwa zwei Prozent der Gesamtabfallmenge, denn knapp 31 000 weitere Tonnen Abbruchmaterial sind noch zu erwarten, ehe das Kraftwerk ganz verschwunden sein wird.

Der Rückbau erfolgt unter den gleichen strengen Sicherheitsvorgaben wie zu Betriebszeiten, sagt eine Sprecherin von PreussenElektra. Statt der Physik-Abteilung gibt es nun den Aufgabenschwerpunk „Entsorgung“. Fast 200 Mitarbeiter sind am Abbau beteiligt. Jedes Teil aus dem Kontrollbereich werde auf Radioaktivität geprüft. Fällt es unter die gesetzlichen Grenzwerte, wird es wie normaler Schrott entsorgt und gelangt zurück in den Wertstoffkreislauf. Naturschützer kritisieren dieses Vorgehen allerdings. Sie fordern, alle Teile als radioaktiven Abfall zu kennzeichnen und zu sammeln.

Ziel von PreussenElektra ist es, in Grafenrheinfeld bis Ende des Jahres die Brennstofffreiheit zu erlangen. Die Brennelemente kommen in das Zwischenlager vor Ort. Für die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle wird auf dem Gelände eine Halle gebaut, die Ende 2020 in Betrieb genommen werden soll. Das vorgesehene Endlager Konrad in Salzgitter (Niedersachsen) soll laut „Bundesgesellschaft für Endlagerung“, die für die Zwischenlagerung und die Entsorgung der hoch radioaktiven Abfälle verantwortlich ist, nach derzeitigem Stand im Jahr 2027 fertiggestellt werden.

Für die Finanzierung des Rückbaus, der Verpackung der radioaktiven Abfälle und den Abriss von Grafenrheinfeld ist der Betreiber zuständig. Für PreussenElektra fallen 1,2 Milliarden Euro für den gesamten Rückbau an.

In Grafenrheinfeld wird der Rückbau des nuklearen Bereichs im Inneren des Reaktorgebäudes bis 2033 andauern.

Erst danach sollen auch die Kühltürme fallen. Ab 2035 soll über das Gelände Gras wachsen.  lby

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