Alle reden über das Artensterben. Wichtig sind dabei die Artenkenner, die feststellen, welche Tiere oder Pflanzen immer weniger werden. Doch auch diese Artenexperten sind vom Aussterben bedroht. Wir stellen in dieser Serie jeweils eine Art und einen Kenner vor: Heute: Christine Margraf über den Fischotter.
Wer das Vergnügen hat, ihn live zu sehen, der erlebt ein echtes Highlight: Der Fischotter bewegt sich so spielerisch leicht, so agil, so talentiert durch das Wasser, dass es so wirkt, als hätte er einfach Spaß dabei, darin herum zu tollen. Selbst für erfahrene Naturschützer ist das ein „faszinierendes“ Schauspiel, sagt Christine Margraf. Das aber extrem selten zu erleben ist. Margraf selbst ist Diplom-Biologin und Artenreferentin beim Bund Naturschutz, sie ist Spezialistin für Flüsse und Auen, also dem Lebensraum des Fischotters. Dort ist sie seit Jahrzehnten unterwegs, beruflich wie privat – und erst letztes Jahr hat sie das allererste Mal in ihrem Leben einen Fischotter längere Zeit beobachten dürfen. Und zwar im Urlaub, in der Toskana. Was für ein Zufall. „Jahrelang sind wir nach Osteuropa gefahren, weil ich ihn unbedingt mal länger erleben wollte, aber dort hat es nie geklappt“, erzählt die 52-jährige Freisingerin schmunzelnd.
Laien werden also wohl mit Internet-Videos vorlieb nehmen müssen. Denn der Fischotter ist dämmmerungs- und nachtaktiv und lebt sehr heimlich. „Aber leider nicht heimlich genug“, sagt Margraf: In Bayern war er so gut wie ausgerottet. Einst war er ein Konkurrent für die hungernde Bevölkerung beim Fischfang und wurde gnadenlos gejagt; die extrem schlechte Gewässerqualität und der schwindende Fischbestand gaben ihm den Rest. Seit Jahrzehnten gibt es aber ein Jagdverbot und die Gewässerqualität wurde verbessert, trotzdem kehrt er nur langsam zurück. In den ostbayerischen Mittelgebirgen ist er nun ansässig und über die Achse Salzach und Inn wandert er zögerlich weiter.
Junge Fischotter können auf der Suche nach einem eigenen passenden Revier so einige Kilometer zurücklegen. Dabei müssen sie leider auch Straßen überqueren und treffen so auf ihre derzeitig größte Lebensgefahr: das Auto. Immer wieder werden überfahrene Fischotter gefunden.
Eine weitere Gefahr ist sein Image als eine Art Konkurrent des Menschen. Kaum kehrt er in seine bayerische Heimat zurück, gibt es schon wieder vereinzelte Rufe nach dem Abschuss, berichtet Margraf. Ein Schicksal, das er irgendwie mit dem Biber teilt. Dabei sind die beiden nicht einmal miteinander verwandt, der Biber ist ein Nagetier, der Fischotter dagegen ist ein echtes Raubtier.
Das sieht man: Er fängt seine Beute unter Wasser, trägt sie im Maul heraus, setzt sich dann auf einen Felsen und hält die Beute ordentlich mit den Pfoten fest, während er sie Bissen für Bissen zerreißt. Auch das ein seltenes Schauspiel – wie gesagt: am einfachsten zu betrachten auf Video im Internet.
Christine Margraf über den Fischotter