München/Eschenlohe – Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist ein gefährlicher Schädling. Aus Asien durch Import von Holzprodukten eingeschleppt, frisst er sich seit einigen Jahren durch unsere schönen Laubhölzer. FünfOrtschaften sind Quarantäne-Gebiet: Feldkirchen (Kreis München), Murnau, Miesbach, Kelheim und Ziemetshausen im Landkreis Günzburg. Doch Vorsicht: Der gemeine Schädling, von Amts wegen auch ALB abgekürzt, hat harmlose Doppelgänger.
Die Twitter-Gemeinde im Internet tippte gleich auf einen ALB, als der Autor dieser Zeilen bei einer Wanderung am Samstag nahe der Hohen Kiste bei Eschenlohe während einer Rast an einer einsamen Jagdhütte einen seltsamen Käfer mit langen Fühlern fotografierte und zu Hause dann ins Internet stellte. Auf die launige Frage an die Twitter-Gemeinde: „Wer kennt diesen Kerl?“ kam die gar nicht humorig gemeinte Antwort: „Asiatischer Bockkäfer – das ist ein fieser eingeschleppter Schädling“, nebst Ratschlag: Fangen und Baum/Strauch entsorgen. Wumms! Sollte sich der Schädling etwa im schönen oberbayerischen Pustertal, fernab der Zivilisation, breitgemacht haben? Das wäre wohl eine Katastrophe.
Nun war der Wanderer schon längst wieder zu Hause, der Käfer, der sich da am Zaunpfahl gesonnt hatte, also am Leben geblieben. Und das war auch gut so. Denn wie sich herausstellte: Der vermeintliche ALB war ein harmloser Geselle. „Sie haben einen Bockkäfer aus der Gattung der Handwerkerböcke (Monochamus) gefunden, die in Größe und Gestalt zwar wie der ALB typische Bockkäfer sind, sich aber doch von diesem unterscheiden lasssen“, klärte eine Expertin der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) auf. Die Unterscheidungsmerkmale setzen allerdings einige Semester Käferkunde voraus. Die Handwerkerböcke haben raue, gekörnte Flügeldecken, der ALB hingegen glänzend schwarze Decken. Auffällig ist der Unterscheid beim Schild am oberen Ende der Flügeldecken: beim Handwerker-Krabbler weiß, beim Horrorkäfer schwarz.
Die LfL (E-Mail: alb@lfl.bayern.de) bekommt derzeit übrigens öfters Meldungen von Wanderern, die seltsame Käfer finden. Fotos werden von den Experten des LfL auch geduldig gesichtet – nicht, dass der ALB doch noch irgendwo auftritt. Bis auf Miesbach, wo der Schädling erst 2019 entdeckt wurde, ist die Lage recht entspannt. Die meisten Quarantänezonen können Ende 2020 aufgehoben werden. In Murnau werden Baumkletterer in diesem Jahr noch mal Baumkronen sichten, bevor es Entwarnung gibt.
Wir aber haben unseren Krabbler Karl der Käfer getauft – frei nach dem Lied der längst vergessenen Band „Gänsehaut“, die sich einst mit folgenden Zeilen unsterblich machte: „Karl, der Käfer wurde nicht gefragt. Man hat ihn einfach fortgejagt.“
Gut, dass wir gefragt haben.