Kritik an Bayerns Corona-Testoffensive

von Redaktion

VON BRITTA SCHULTEJANS

München – Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßt die Pläne der Staatsregierung für vorbeugende Corona-Tests. „Diese Tests sind sinnvoll, weil wir kein anderes Instrument haben, zügig und schnell eine Infektionskette zu erkennen“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. „Mit vorbeugenden Tests haben wir die Möglichkeit, Gefahrenlagen festzustellen.“ Tests könnten aber nicht die Abstandsregeln und den Mund-Nasen-Schutz ersetzen, betonte er.

Bayern will als erstes Land Corona-Tests für alle einführen – auch für Menschen ohne Symptome und ohne besonderes Infektionsrisiko. Wie berichtet, hatte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) eine „Testoffensive“ angekündigt – kostenlos und zeitnah bei einem niedergelassenen Arzt, auch ohne Symptome. Die Kosten (Labore bekommen knapp 40 Euro pro Test) will der Freistaat übernehmen, soweit die Krankenkasse nicht zahlt. Mehrere hundert Millionen Euro sind eingeplant. Die Mitwirkung der Hausärzte sei freiwillig, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Bei den Tests handelt es sich um „PCR-Tests“ auf eine akute Infektion, nicht um Antikörper-Tests, die zeigen, ob jemand schon eine Corona-Infektion durchlebt hat.

Brysch befürchtet, die Hausärzte könnten damit überfordert sein. Vor allem massenhafte Tests in Pflege- und Behindertenheimen, die besonders wichtig seien, könnten sie nicht leisten. „Da müssen wir mobile Teams auf den Weg bringen. Gerade dort, wo das Infektionsgeschehen auf eine Hochrisikogruppe trifft, darf es keine Diskussionen geben.“ Auch die Hausärzte gehen von zusätzlicher Arbeit aus. „Wir bereiten uns darauf vor, dass es mehr Interesse gibt“, heißt es bei ihrem Verband. Es mache aber Sinn, auch Menschen ohne Symptomatik zu testen.

Ärger gibt es dabei mit dem Bund. Brysch kritisierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Bayerns Pläne ablehnt. „Ich wundere mich schon, dass der Gesundheitsminister so auf die Bremse drückt.“ Er könne Bayern verstehen, die Tests dann im Alleingang ausweiten zu wollen, sagte Brysch. Er forderte dennoch bundesweite Konzepte.

Spahn kritisierte die geplanten Tests öffentlich. „Einfach nur viel testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend“, betonte er. Das wiege in falscher Sicherheit, erhöhe das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belaste die vorhandene Testkapazität. Auch das Robert-Koch-Institut hatte sich gegen ungezielte Testungen ausgesprochen.

Im Hintergrund geht es wohl auch um die Frage, ob mittelfristig der Bund mitzahlt. Ministerpräsident Markus Söder wies Spahns Kritik zurück. „Das ist die einzige ernsthafte Option, es wird sonst zu wenig getestet“, sagte der CSU-Chef. „Wir warten nicht auf endlose Gespräche zwischen einzelnen Kostenträgern, sondern wir gehen in Vorleistung.“

Spahns Kritik, Tests ohne systematisches Vorgehen seien nicht zielführend, treffe auf Bayern nicht zu. „Wir haben ein System entwickelt“, betonte Söder. Zunächst gebe es Serientests für das gesamte medizinische Personal, in der Altenpflege und in Behinderteneinrichtungen. Ferner werde dies auch Lehrern und Erziehern angeboten, da hier gerade nach den Ferien Gefahren für eine erneute Ansteckungswelle bestünden. Zum Konzept gehöre auch, dass es für jeden, der Krankheitssymptome verspüre, eine 24-Stunden-Garantie gebe, bis ein Ergebnis vorliege. Auch jeder, der einfach nur unsicher sei, könne sich testen lassen. Die Test-Kapazität in Bayern liegt derzeit bei 21 000 am Tag und wurde zuletzt nicht ausgeschöpft.

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