München – Der 41-Jährige Mann war wohl ein Nichtschwimmer und hat die Gefahr unterschätzt: Am Sonntag sprang er am frühen Morgen im Traunsteiner Ortsteil Epfing in die Traun – und tauchte nicht mehr auf. Trotz einer großen Suchaktion mit Wasserrettern, Feuerwehr, Polizei und einem Hubschrauber konnte er nicht gerettet werden. Er wurde zwar noch lebend geborgen, starb aber später im Krankenhaus.
Auch für einen 81-Jährigen aus Pullach (Kreis München) kam am Sonntag jede Hilfe zu spät. Er war im Thansauer See (Kreis Rosenheim) verschwunden. Erst nach einer rund zweistündigen Suche konnten Taucher den Rentner am Grund des Sees orten und an Land bringen.
Viele Retter befürchten, dass es diesen Sommer zu mehr Notfällen dieser Art kommt. „Die Einsatzzahlen werden zunehmen. Wir rechnen mit einem Anstieg sowohl bei den kleineren als auch bei den schwereren Unfällen“, sagt Michael Förster vom Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die in Bayern an rund 70 Orten im Einsatz ist. Im schlimmsten Falle könne es auch mehr Badetote geben, befürchtet die DLRG.
Die Wasserwachtler stellen sich ebenfalls auf einen anstrengenden Sommer ein. Ingo Roeske ist stellvertretender Vorsitzender der bayerischen Wasserwacht und als Leiter der Ortsgruppe Wolfratshausen am Starnberger See aktiv. „Wir gehen davon aus, dass mehr Leute in Deutschland Urlaub machen und an den Seen besonders viel los ist“, sagt er. Auch wegen der Einlassbeschränkungen in Freibädern würden vermutlich viele Schwimmer auf die Seen ausweichen.
Sorgen bereitet ihm, dass sich Urlauber nicht gut in der Umgebung auskennen. „Das macht die Suche nach den Einsatzstellen schwer.“ Braucht zum Beispiel ein ortskundiger Segler auf dem Starnberger See Hilfe, könne er meist beschreiben, zwischen welchen Orten er sich gerade befindet. „Bei Fremden müssen wir ein viel größeres Gebiet absuchen“, erklärt Roeske. Oft seien dann auch mehrere Einheiten notwendig.
Hinzu kommt, dass die Wachstationen größtenteils nur am Wochenende und an den Feiertagen besetzt sind. „Aber auch unter der Woche wird es dieses Jahr voller an den Gewässern sein“, sagt Roeske. Die Besetzung sei jedoch ein Problem, weil die Wasserretter ehrenamtlich tätig sind und einige zudem zur Corona-Risikogruppe gehören. „Manche Mitglieder nutzen deshalb ihren Urlaub, um unter der Woche vor Ort zu sein“, sagt Roeske. Auch er wird in seinem Urlaub viel Zeit an der Rettungsstation verbringen.
Flächendeckend ist eine Ausweitung der Zeiten aber kaum realisierbar, wie Michael Förster von der DLRG erklärt: „Eine verstärkte Präsenz an anderen Tagen ist meistens nicht möglich“, sagt er. An den Einsatztagen könne die Anzahl der Retter ebenfalls nicht erhöht werden, da die Abstandsregeln beachtet werden müssen.
Darauf weist auch Daniela Haupt von der Wasserwacht München hin: „Um die Abstandsregeln einzuhalten, ist die Wachstärke auf das Minimum reduziert“, berichtet sie. Kommen Badegäste an die Wachstation, wird zuerst die Temperatur gemessen. „Jeder bekommt einen Mund-Nasen-Schutz und muss die Hände desinfizieren“, sagt sie. Bei Anzeichen einer Infektion stünden Schutzanzüge bereit. „Die Situation ist auch für uns nicht einfach“, sagt Haupt. Ihr Appell: „Ob es mehr Unfälle geben wird, ist noch schwierig vorauszusagen: Es hängt von der Vernunft der Badegäste ab.“
Wichtig ist auch, dass Eltern besonders auf ihre Kinder achten. „Die Schwimmfähigkeit nimmt sowieso ab“, sagt Ingo Roeske. „Das war vor Corona schon ein Problem und hat sich jetzt noch einmal verschlimmert.“ Denn der Schwimmunterricht in Schulen und alle Schwimmkurse mussten lange Zeit ausfallen.